Wundversorgung: Platzwunde

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Sabrina Kempe

Sabrina Kempe ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion. Sie hat Biologie studiert und sich dabei besonders in die Molekularbiologie, Humangenetik und Pharmakologie vertieft. Nach ihrer Ausbildung zur Medizinredakteurin in einem renommierten Fachverlag hat sie Fachzeitschriften und eine Patientenzeitschrift betreut. Jetzt verfasst sie Beiträge zu Medizin- und Wissenschaftsthemen für Experten und Laien und redigiert wissenschaftliche Fachbeiträge von Ärzten.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Eine Platzwunde entsteht durch ein stumpfes Trauma. Wenn wir uns etwa stoßen oder von einem herabfallenden Gegenstand getroffen werden, ist das Resultat oft eine Platzwunde. Kopf, Stirn, Lippen, Schienbein und Ellenbogen trifft es besonders oft. Die Haut platzt oberflächlich auf, und es blutet ziemlich stark. Lesen Sie hier, wie Sie eine Platzwunde behandeln und wann ein Arztbesuch ratsam ist.

Platzwunde; wundversorgung

Kurzübersicht

  • Was tun bei einer Platzwunde? Wunde mit kühlem Leitungswasser abspülen, desinfizieren, Blutung mit Druckverband stoppen, Wundränder kleiner Platzwunden außerhalb des Gesichts mit Klammerpflaster (Wundnahtstreifen) zusammenführen
  • Platzwunde-Risiken: Wundinfektion (inkl. Tetanus-Infektion), Narbenbildung, Gehirnerschütterung bei Platzwunde am Kopf
  • Wann zum Arzt? bei großen/klaffenden Wunden, bei Platzwunden im Gesicht, bei stark verunreinigten Wunden und/oder zerfetztem Wundrand, bei eiternden Wunden, bei stark blutenden Wunden, bei fehlendem oder unbekanntem Tetanus-Impfschutz, bei Erbrechen, Übelkeit, Bewusstlosigkeit

Achtung!

  • Verzichten Sie, wenn Sie eine Platzwunde behandeln, auf Hausmittel wie Mehl, Butter, Zwiebelsaft oder Sekundenkleber. Diese Substanzen haben auf oder in der Wunde nichts zu suchen!
  • Berühren Sie die Wunde nicht mit dem Mund, saugen Sie nicht daran, pusten Sie nicht darauf – Speichel enthält viele Keime!
  • Verwenden Sie zur Wundreinigung weder Wasserstoffperoxid (Wasserstoffsuperoxid) noch Jodtinkturen. Wasserstoffperoxid kann in Gewebespalten eindringen und den roten Blutfarbstoff so verändern, dass Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel entstehen. Und Jod kann starke allergische Reaktionen hervorrufen.
  • Behandeln Sie die Platzwunde nicht mit Heilsalbe, Puder oder Sprühpflaster, da dies die Heilung verzögert!

Platzwunde: Was tun?

Zuerst sollten Sie Ruhe bewahren, den Verletzten beruhigen und dann die Wunde versorgen:

  • Platzwunde abspülen oder abtupfen: Waschen Sie das Blut mit kühlem Leitungswasser ab. Ist dies nicht möglich, tupfen Sie die Wunde mit einem sauberen Tuch oder Gazestück ab. Dann erst können Sie abschätzen, wie groß die Wunde ist.
  • Wunde desinfizieren: Desinfizieren Sie die Wunde mit einem nicht-alkoholischen Desinfektionsmittel aus der Apotheke.
  • Blutung stoppen: Blutet die Platzwunde stark, sollten Sie einen Druckverband anlegen. Achten Sie aber darauf, die Blutversorgung im betroffenen Körperteil nicht zu unterbrechen!
  • Kleine Platzwunde außerhalb des Gesichts: Klafft eine Platzwunde an der Kopfhaut, an Beinen oder Armen weniger als 5 mm auseinander und ist kaum verschmutzt, können Sie diese selbst behandeln. Sobald die Blutung nachgelassen hat, schieben Sie die Wundränder vorsichtig aneinander. Kleben Sie dann Klammerpflaster (Wundnahtstreifen) über die Wunde.
  • Beule unter Platzwunde kühlen: Entwickelt sich zusätzlich zur Platzwunde eine Beule, sollten Sie diese mit einem Kühlpad oder Eiswürfeln kühlen. Legen Sie solche Kühlelemente aber nicht direkt auf die Haut, sondern eingewickelt in eine Stück Stoff. Sonst besteht die Gefahr lokaler Erfrierungen.

Klammerpflaster (Wundnahtstreifen) sollten circa vier bis sechs Tage auf der Wunde bleiben. Entfernen Sie die Streifen zu früh, könnte die Platzwunde wieder aufgehen.

Platzwunde: Wasser vermeiden

Solange die Wunde noch nicht verschlossen ist, sollte kein Wasser auf die Wunde gelangen. Decken Sie daher für ungefähr eine Woche die Platzwunde beim Duschen mit einem wasserfesten Pflaster ab. Nicht immer aber lässt sich ein Duschpflaster anbringen, etwa nicht bei einer Platzwunde am behaarten Kopf. Haare waschen können Sie dann erst wieder, sobald die Wunde sich geschlossen hat.

Ist die Platzwunde sehr groß und musste genäht, geklammert oder geklebt werden, sollten Sie sich – was den Kontakt mit Wasser betrifft – an die Vorschriften des Arztes halten.

Platzwunde: Heilungsdauer

Platzwunden heilen normalerweise innerhalb von zwei bis drei Wochen ab. Befinden sie sich stark beanspruchten Hautstellen wie zum Beispiel im Bereich von Gelenken kann die Wundheilung länger dauern.

Verheilte, kleinere Platzwunden können schnell wieder beansprucht werden. Größere Platzwunden brauchen länger Ruhe, um vollständig auszuheilen. Sie sollten die Narbe erst nach vier bis sechs Wochen wieder voll belasten.

Wie lange Sie durch eine Platzwunde am Kopf beeinträchtigt sind, hängt davon ab, ob Sie zusätzlich eine Gehirnerschütterung erlitten haben. Dann könnten einige Tage Bettruhe oder sogar ein Krankenhausaufenthalt nötig sein.

Platzwunde: Risiken

Der Arzt kann eine Platzwunde nur innerhalb von sechs Stunden klammern, nähen oder kleben. Danach muss er die Wunde offenlassen, weil sonst das Risiko für eine Infektion zu hoch wäre. Eine infizierte Wunde braucht länger zum Abheilen und kann unschöne Narben hinterlassen. Darüber hinaus bergen manche Infektionen teils lebensbedrohliche Risiken wie etwa Tetanus und Sepsis.

Tetanusinfektion

Eine gefürchtete Wundinfektion ist Tetanus. Schon eine kleine Platzwunde kann ausreichen, um sich mit Tetanus-Bakterien zu infizieren – sofern man nicht dagegen geimpft ist. Die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung beträgt im Schnitt drei Tage bis drei Wochen. Seltener tauchen Tetanus-Symptome (wie anhaltende Muskelkrämpfe, Mundstarre etc.) auch schon früher oder aber erst Monate nach der Infektion auf. In jedem Fall ist rasches Handeln wichtig: Unbehandelt endet Tetanus tödlich.

Lassen Sie sich bei Platzwunden oder anderen Verletzungen unbedingt gegen Tetanus impfen, wenn Sie keinen wirksamen Impfschutz besitzen oder Ihren Impfstatus nicht kennen.

Blutvergiftung (Sepsis)

Nicht behandelte, infizierte Wunden können eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Dabei breiten sich Keime über die Blutbahn im Körper aus und lösen eine komplexe Entzündungsreaktion aus. Anzeichen sind unter anderem hohes Fieber, Verwirrtheit, beschleunigte Atmung, schneller Herzschlag sowie blasse oder graue Hautfarbe. Unbehandelt führt eine Sepsis zu Organschäden und Herz-Kreislauf-Versagen!

Gehirnerschütterung

Ein heftiger Stoß oder Schlag gegen den Kopf kann nicht nur eine Platzwunde, sondern auch eine Gehirnerschütterung hinterlassen. Deshalb sollte man die verletzte Person über 48 Stunden genau auf Anzeichen einer Gehirnerschütterung beobachten. Dazu zählen Erinnerungslücken, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel oder Bewusstlosigkeit.

Platzwunde: Wann zum Arzt?

In folgenden Fällen sollten Sie sofort einen Notarzt rufen:

  • Der Verletzte fühlt sich ganz schwach, wird kreidebleich und hat kalten Schweiß auf der Stirn (bringen Sie ihn bis zum Eintreffen des Notarztes in die Schocklage!).
  • Der Verletzte hat eine Platzwunde am Kopf und war unmittelbar nach dem Unfall bewusstlos (Gefahr einer Gehirnerschütterung oder Gehirnblutung!).
  • Bei einer Platzwunde am Kopf kommt es innerhalb von 48 Stunden nach der Verletzung zu Erbrechen, Übelkeit, Erinnerungslücken oder zunehmender Schläfrigkeit (ebenfalls Anzeichen für Gehirnerschütterung oder -blutung).
  • Der Verletzte entwickelt einige Tage, nachdem er sich die Platzwunde zugezogen hat, Fieber und weitere Symptome wie Verwirrtheit, Atemnot, schneller Puls oder bläulich verfärbte Haut (erste Anzeichen einer Blutvergiftung = Sepsis!).
  • Der Verletzte mit der Platzwunde hat keinen aktuellen Tetanusschutz und entwickelt nach einigen Tagen oder Wochen Symptome wie Muskelkrämpfe und Schluckstörungen.

Ab zum Allgemein- oder Kinderarzt heißt es in folgenden Fällen:

  • Die Platzwunde hört nicht auf zu bluten.
  • Sie nehmen gerinnungshemmende oder das Immunsystem unterdrückende Mittel (Immunsuppressiva wie Kortison) ein.
  • Die Platzwunde ist tief oder klafft mehr als 5 mm auseinander.
  • Die Wundränder sind zerfetzt und nicht glatt.
  • Die Platzwunde befindet sich im Gesicht.
  • Der Knochen unter der Platzwunde ist ebenfalls verletzt.
  • Die Wunde ist stark verschmutzt.
  • Sie leiden an Durchblutungsstörungen, etwa aufgrund von Zuckerkrankheit (Diabetes).
  • Ihr Tetanusschutz ist nicht aktuell oder Sie wissen nicht genau, wann Sie zuletzt gegen Tetanus geimpft wurden.
  • Die Platzwunde eitert, die Wunde hat sich infiziert.
  • Die Wunde schmerzt stärker als zu Beginn, die Haut rund um die Wunde schwillt an, erwärmt und rötet sich (Anzeichen, dass sich die Platzwunde entzündet hat).
  • Sie haben Fieber (ebenfalls Anzeichen einer Wundinfektion).
  • In der Nähe der Wunde spüren Sie ein Taubheitsgefühlt, dass auch nach einigen Tagen nicht verschwindet. Dann könnten Nerven geschädigt sein.
  • Die Wunde ist auch nach zwei bis drei Wochen noch nicht verheilt.

Platzwunde: Untersuchungen beim Arzt

Zunächst wird der Arzt im Gespräch mit dem Patienten (bei verletzten Kindern auch mit den Eltern) die Krankengeschichte (Anamnese) erheben. Mögliche Fragen dabei sind:

  • Wann und wie haben Sie sich die Platzwunde zugezogen?
  • Bei Platzwunde am Kopf: Waren Sie nach der Verletzung bewusstlos oder mussten Sie sich übergeben?
  • Bei Platzwunde am Kopf: Fühlen Sie sich schläfrig, ist Ihnen übel oder haben Sie Kopfschmerzen?
  • Gibt es noch weitere Verletzungen?
  • Hat sich das Aussehen der Platzwunde verändert? Wenn ja, wie (Schwellung, Rötung, Eiterbildung etc.)?
  • Bestehen irgendwelche Vorerkrankungen (z.B. Diabetes, der die Wundheilung verschlechtern kann)?
  • Nehmen Sie (oder Ihr Kind) Medikamente ein (z.B. Kortison oder andere Präparate, die das Immunsystem unterdrücken)?
  • Ist Fieber aufgetreten?
  • Wann war die letzte Tetanusimpfung?

Danach wird der Arzt die Wunde gründlich untersuchen. Dabei testet er auch, ob vielleicht der darunter liegende Knochen oder benachbarte Nerven oder Sehnen verletzt sind. In solchen Fällen wird der Arzt Sie wahrscheinlich in eine Klinik überweisen. Ins Krankenhaus müssen Sie auch, wenn die Wundränder zerfetzt und/oder stark verschmutzt sind. Dann muss ein Chirurg die Wunde ausschneiden und nähen.

Platzwunde: Behandlung beim Arzt

Der Arzt reinigt die Wunde sorgfältig mit Kochsalzlösung oder Wasser. Falls die Wunde noch stark blutet, stillt er die Blutung mit einem Druckverband. Kleinere Platzwunden kann der Arzt mit Klammerpflaster oder Hautkleber versorgen.

Ist die Verletzung größer oder im Gesicht und sind noch keine sechs Stunden vergangen, wird der Arzt die Platzwunde nähen oder klammern. Ein in das Wundgebiet gespritztes Betäubungsmittel unterdrückt dabei die Schmerzen. Alternativ kann der Arzt die Platzwunde kleben, sofern das Gewebe nicht unter zu großer Spannung steht (zum Beispiel im Gesicht oder am Kopf). Bei Bedarf erhält der Patient anschließend ein Schmerzmedikament.

Sind schon mehr als sechs Stunden vergangen, bleibt die Wunde offen und wird nicht genäht, geklebt oder geklammert. Der Arzt spült die Platzwunde und legt einen Verband an.

Außerdem prüft der Arzt den Impfschutz gegen Tetanus. Liegt die letzte Tetanusspritze länger als zehn Jahre zurück (bei Kindern länger als fünf Jahre), ist eine Auffrischung nötig.

Hat sich die Platzwunde entzündet, müssen Sie womöglich ein Antibiotikum einnehmen. Wenn die Platzwunde stark infiziert ist und bereits Fieber ausgelöst hat, ist gegebenenfalls eine stationäre Behandlung nötig.

Platzwunde: Nachsorge

Wurden zum Nähen der Platzwunde sich selbst auflösende Fäden verwendet, müssen diese nicht gezogen werden. Ansonsten entfernt der Arzt Fäden, Wundnahtstreifen und Hautkleber im Gesicht nach vier bis sechs Tagen, an Armen und Beinen nach zehn bis vierzehn Tagen, an Gelenken unter Umständen auch erst nach drei Wochen. Hinterlässt die Platzwunde eine Narbe, können Sie sie mit einer panthenolhaltigen Salbe pflegen. Zusätzlich sollten Sie die Narbe vor der Sonne schützen.

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