Reanimation bei Erwachsenen

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Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Unter einer Reanimation versteht man die Wiederbelebung einer Person bei Atem- und Kreislaufstillstand. Dazu führt man Herzdruckmassage, Beatmung und weitere Maßnahmen zur Kreislaufunterstützung durch. Ärzte sprechen hierbei auch von kardiopulmonaler Reanimation (engl. cardiopulmonary resuscitation, CPR) oder Herz-Lungen-Wiederbelebung. Lesen Sie hier, wie Sie dabei vorgehen und was Sie beachten sollten!

Kurzübersicht

  • Was bedeutet Reanimation? Maßnahmen zur Wiederbelebung bei Atem- und Herz-Kreislaufstillstand.
  • Vorgehen: Prüfen, ob der Patient reagiert und atmet, Notruf absetzen, Herzdruckmassage und Beatmung durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft oder der Patient wieder selber atmet.
  • In welchen Fällen? Eine Reanimation erfolgt immer dann, wenn lebenswichtige Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, z. B. bei Herzstillstand oder bei zu geringer Pumpleistung des Herzens.
  • Risiken: Rippenbrüche und Verletzung innerer Organe (wie Milz) bei der Herzdruckmassage, Luft- und Bluteinstrom zwischen Lungenfell und Rippenfell, (geringe) Ansteckungsgefahr für den Ersthelfer (durch Mund-zu-Mund-Beatmung eines Patienten mit einer Infektionskrankheit).

Achtung!

  • Zögern Sie im Notfall nicht, mit der Herzdruckmassage zu beginnen (mit ausreichend kräftigem Druck auf den Brustkorb des Betroffenen) – sie kann lebensrettend sein!
  • Der Betroffene kann sich an Erbrochenem oder der eigenen Zunge verschlucken. Prüfen Sie deshalb, ob die (oberen) Atemwege frei sind: Kopf nach hinten überstrecken, Kinn anheben und vorziehen, Fremdkörper aus Mund und Rachen nach Möglichkeit entfernen.
  • Durch die körperliche Belastung bei der Reanimation können Sie als Ersthelfer sich verletzen. Bei der Atemspende besteht eine gewisse Ansteckungsgefahr, wenn der Patient eine Infektion hat.

Wie funktioniert die Reanimation?

Eine Reanimation besteht im Wesentlichen aus Herzdruckmassage und Atemspende. Sie soll die Sauerstoffversorgung von Gehirn und anderen Organen gewährleisten, wenn jemand einen Atem-/Herzkreislaufstillstand erlitten hat. Dabei kommt es auf Schnelligkeit an – im Gehirn kann ein Sauerstoffmangel schon nach drei Minuten unwiderrufliche Schäden anrichten und zum Tode führen.

Experten unterscheiden bei der Widerbelebung die Basismaßnahmen der Reanimation von den erweiterten Maßnahmen:

Basismaßnahmen der Reanimation

Die Basismaßnahmen werden unter dem Begriff „basic life support“ (kurz: BLS) zusammengefasst. Sie können und sollen auch von Laien durchgeführt werden. Es gehören dazu:

  • Patienten ansprechen und seine Reaktion prüfen
  • Atmung prüfen
  • Notruf absetzen
  • Herzdruckmassage
  • Atemspende
  • sofern verfügbar: Automatisierten externen Defibrillator (AED) anwenden (bei einer Defibrillation versucht man, mithilfe von elektrischen Impulsen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu beenden und wieder einer normalen Herzrhythmus herzustellen)

Mit Hilfe dieser Maßnahmen kann man auch als Laie bis zum Eintreffen des Notarztes sicherstellen, dass Herz und Gehirn des Betroffenen ausreichend mit Blut versorgt werden.

Erweiterte Maßnahmen

Die erweiterten Reanimationsmaßnahmen („advanced life support“, kurz: ALS) werden von medizinisch geschultem Personal durchgeführt, etwa von den Rettungssanitätern. Diese versuchen dabei, das Herz des Patienten wieder zu einem normalen Schlagrhythmus zu animieren. Das geschieht durch Defibrillation und Medikamente.

Zusätzlich werden die Atemwege gesichert und ein venöser Zugang gelegt. Währenddessen werden die Basismaßnahmen der Reanimation (Herz-Druck-Massage und Beatmung) kontinuierlich weiter durchgeführt.

Reanimation: So geht's

Jeder, der eine reglose Person auffindet, sollte nach bestem Wissen sofort Erste Hilfe leisten und Wiederbelebungs-Maßnahmen durchführen (solange er sich dabei nicht selbst in Gefahr bringt).

1. Bewusstsein und Atmung prüfen

Zuerst sollten Sie als Ersthelfer prüfen, ob die bewusstlose Person auf Schütteln oder lautes Ansprechen reagiert. Prüfen Sie dann die Atmung. Dazu überstrecken Sie den Kopf des Patienten leicht nach hinten und heben sein Kinn an. Schauen Sie, ob sich Fremdkörper in Mund und Rachen befinden, welche die Atmung behindern können. Entfernen Sie sie nach Möglichkeit.

Halten Sie Ihr Ohr nahe über Mund und Nase des Bewusstlosen – mit dem Blick in Richtung Brustkorb. Prüfen Sie, ob Sie Atemgeräusche hören, einen Lufthauch spüren und sich der Brustkorb des Patienten hebt und senkt.

2. Notarzt alarmieren

Rufen Sie den Notarzt (Telefon: 112) oder fordern Sie umstehende Personen dazu auf.

3. Herzdruckmassage

Beginnen Sie dann sofort mit der Herzdruckmassage, dem Kernstück der Reanimation. Sie sorgt dafür, dass trotz Atem- und Herz-Kreislaufstillstand das im Körper vorhandene sauerstoffgesättigte Blut weiter zu den Zellen (vor allem im Gehirn) transportiert wird. So führen Sie die Herzdruckmassage durch:

  1. Legen Sie die reglose Person flach auf einen harten Untergrund und machen Sie ihren Oberkörper frei.
  2. Seitlich kniend setzen Sie nun den Handballen auf die Mitte des Brustbeins, legen die zweite Hand auf die erste und verschränken die Finger miteinander.
  3. Damit der Brustkorb ausreichend tief komprimiert wird, beugen Sie sich senkrecht über die Brust (Ihre Schultern sollten senkrecht über Ihren Händen sein) und drücken kräftig mit gestreckten Armen rhythmisch auf den Brustkorb. Die Frequenz sollte bei mindestens 100 Stößen pro Minute liegen. Sie können den Herzdruckmassage-Rhythmus aber auch erhöhen (bis max. 120). Da „100“ ein recht abstrakter Wert ist, hilft folgender Tipp, um den richtigen Rhythmus zu finden: Denken Sie an den Song „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees – sein Rhythmus ist ideal für die Herzdruckmassage. Das Gleiche gilt für den Song „Rock Your Body“ von Justin Timberlake.
  4. Nach 30 Kompressionen folgt zweimal eine Atemspende, also eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung.
  5. Machen Sie mit diesem 30:2-Zyklus solange weiter, bis Hilfe eintrifft. Ist noch ein weiterer Ersthelfer anwesend, ist es sinnvoll, nach jedem 30:2-Zyklus zu wechseln (die Herzdruckmassage ist anstrengend!).
  6. Sollten Sie sich die Beatmung nicht zutrauen (und auch kein Umstehender), beschränken Sie sich auf die Herzdruckmassage und führen diese kontinuierlich weiter - solange, bis der Notarzt eintrifft oder der Patient wieder normal atmet.
  7. Falls verfügbar, sollten Sie einen automatisierten externen Defibrillator (AED) anwenden. Solche Geräte stehen mittlerweile an vielen zentralen Stellen und in öffentlichen Gebäuden bereit. Sprachanweisungen helfen bei der richtigen Anwendung. Achtung: Der Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators darf niemals die Herzdruckmassage verzögern oder ersetzen!

Sobald der Rettungsdienst eingetroffen ist, wird er versuchen, bei dem Patienten wieder einen natürlichen Herzrhythmus herzustellen. Um die Atemwege zu sichern, wird der Patient intubiert. Das heißt: Man schiebt einen dünnen Schlauch (Tubus) durch Mund oder Nase bis in die Luftröhre. Außerdem wird ein venöser Zugang gelegt, über den der Patient Flüssigkeit und Medikamente verabreicht bekommt. Oftmals werden zum Beispiel Adrenalin (hebt und stützt den Blutdruck) sowie Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika) gegeben. Zusätzlich wird ein EKG geschrieben, um die Herzaktivität zu prüfen.

Reanimation bei Kindern

Bei der Wiederbelebung besonders von Säuglingen und Kleinkindern gilt es einiges zu beachten. Mehr darüber erfahren Sie im Beitrag Reanimation bei Kindern.

Wann mache ich eine Reanimation?

Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung ist immer dann nötig, wenn in einem akuten Notfall lebenswichtige Organe oder Organsysteme eines Betroffenen nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Der Grund dafür ist meist ein Herzstillstand beziehungsweise eine zu geringe Pumpleistung des Herzmuskels, etwa bei Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder einer Herzbeuteltamponade (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel, die das Herz zusammendrückt).

Äußere Einwirkungen wie Ersticken, Vergiftungen oder Ertrinken können ebenfalls zu einem Herzstillstand führen.

Typische Symptome für eine mangelnde Sauerstoffversorgung sind Bewusstlosigkeit, Atemstillstand oder Schnappatmung (unkontrollierte Zwerchfellzuckungen) sowie ein fehlender oder zu schneller Herzschlag.

Risiken der Reanimation

Eine Reanimation birgt für den Betroffenen folgende Risiken:

  • Rippenbrüche
  • Lungenverletzungen
  • Risse des Zwerchfells, der Leber oder der Milz
  • Einatmen von Mageninhalt
  • Eintritt von Luft in den Pleuraspalt (Pneumothorax)
  • Eintritt von Blut in den Pleuraspalt (Hämatothorax)
  • Eintritt von Blut in den Raum zwischen Herz und Herzbeutel (Hämatopericard)

Auch für den Ersthelfer gibt es gewisse Risiken: Wenn er einem Patienten mit einer Infektion Atem spendet, besteht dabei eine (geringe) Ansteckungsgefahr. Außerdem kann die Herzdruckmassage anstrengend sein; der Ersthelfer kann sich dabei eventuell sogar verletzen.

Trotz dieser potenziellen Risiken für den Patienten und Sie als Ersthelfer sollten Sie im Notfall nicht vor einer Reanimation zurückschrecken – das Leben des Betroffenen kann von Ihnen abhängen!

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