Hydrotherapie

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Erfrischend, entspannend, heilend – Hydrotherapie nutzt gezielt die wohltuende Wirkung des Wassers. Heiße oder kalte Bäder, mit und ohne Zusätze, Güsse und Wechselbäder – die Wassertherapie kennt viele Anwendungen zur Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen. Lesen Sie hier alles Wichtige über die Methoden und Einsatzbereiche der Hydrotherapie.

Kneipp Bad

Was ist Hydrotherapie?

Die Hydrotherapie, auch Balneotherapie oder Wasserbehandlung, gehört zu den Methoden der physikalischen Therapie. Der Arzt Siegmund Hahn (1664-1742) begründete sie, Sebastian Kneipp entwickelte sie später weiter und integrierte sie in seine ganzheitliche Kneipp-Medizin.

Die Hydrotherapie nutzt Wasser in all seinen natürlichen Zuständen, also flüssig, heiß oder kalt, sowie in Form von Dampf und Eis. Bewährt hat sich das Therapieverfahren vor allem zur Schmerzlinderung bei Rheuma sowie zur Behandlung von Verbrennungen. Zudem kann Hydrotherapie beispielweise den Kreislauf anregen, die Muskulatur entspannen, den Blutdruck senken, die Pulsfrequenz beeinflussen und die Abwehrkräfte stärken.

Angewendet wird Hydrotherapie von Ärzten, Heilpraktikern und Physiotherapeuten. Häufig sind hydrotherapeutische Anwendungen ein wesentlicher Bestandteil medizinischer Kuren.

Hydrotherapie: Güsse

Was sind Güsse?

Im Rahmen der Hydrotherapie kann ein Guss mit warmem oder kaltem Wasser durchgeführt werden. Wichtig ist, dass das Wasser ohne Druck auf den Körper trifft. Dazu nutzen Therapeuten einen speziellen Gießschlauch, aus dem das Wasser praktisch druckfrei fließt. Güsse sind ein beliebtes Hydrotherapie-Verfahren der Kneipp-Medizin und sollten nicht länger als zwei Minuten dauern.

Wann setzt man Güsse ein?

In der Hydrotherapie werden Güsse meist eingesetzt, um die Durchblutung anzuregen, die Muskulatur zu entspannen und das Immunsystem zu stärken.

Wie werden Güsse angewendet?

Meist werden Güsse als Teilbehandlung angewendet. Wichtige Gussformen sind zum Beispiel:

  • Kalter Knie- und Schenkelguss: wirkt blutdruckregulierend, entstauend, arterienerweiternd, durchblutungsfördernd (insbesondere bei der Rachenmuskulatur), venenkräftigend, beruhigend und schlaffördernd.
  • Kalter Armguss: erhöht den Blutdruck und fördert die Konzentrationsfähigkeit, wirkt zudem erfrischend, belebend und durchblutungsfördernd.
  • Brustguss: kalte Brustgüsse stärken die Abwehrkräfte, mit warmen Brustgüssen lassen sich entzündliche Atemwegserkrankungen behandeln.
  • Kalter Gesichtsguss: bei Spannungskopfschmerzen und bei Migräne in der Anfangsphase und bei schlecht durchbluteter Gesichtshaut. Fördert die Durchblutung, strafft die Haut, erfrischt und beruhigt.
  • Warmer Wirbelsäulenguss: entspannt und entkrampft die Rückenmuskulatur.
  • Heißer Lumbalguss: steigert die Durchblutung im Beckenbereich und bereitet die Lendenwirbelsäule auf nachfolgende Bewegungsübungen vor.

Sonderformen sind Wechselgüsse mit abwechselnd warmem und kaltem Wasser sowie Blitzgüsse, bei denen das Wasser für wenige Minuten mit Druck auf die zu behandelnden Körperteile gelenkt wird.

Wann sind Güsse nicht geeignet?

  • Kalter Knie- und Schenkelguss: ungeeignet bei arteriellen Durchblutungsstörungen der Beine, während der Menstruation, bei schmerzendem Ischiasnerv, Harnwegsinfekten und bei offenen Wunden. Der Schenkelguss ist außerdem nicht empfehlenswert bei bestehenden oder drohenden funktionellen Störungen von Organen im kleinen Becken.
  • Kalter Armguss: nicht empfehlenswert bei chronischem Rheuma, lokalen Nervenreizungen, Durchblutungsstörungen in den Armen, Herzleiden, eitrigen Atemwegserkrankungen und fiebrigen Infekten.
  • Brustguss: Kontraindiziert bei Herzleiden, fiebrigen Erkrankungen der Atemwege, Asthma und Bluthochdruck.
  • Kalter Gesichtsguss: nicht anzuwenden bei Augenerkrankungen wie Grüner Star, Nebenhöhlenentzündungen, Trigeminusneuralgie (Erkrankung des zentralen Gesichtsnervs).
  • Warmer Wirbelsäulenguss: kontraindiziert bei akuten lokale Entzündungen.
  • Heißer Lumbalguss: nicht anzuwenden bei akuten lokalen Entzündungen, Tumoren.

Hydrotherapie: An- und absteigende Bäder

Was sind an- und absteigende Bäder?

An- und absteigende Teilbäder sind weitere bewährte Verfahren der Hydrotherapie. Bei einem ansteigenden Bad beginnt man bei niedriger Wassertemperatur und lässt nach und nach heißes Wasser zulaufen. Bei einem absteigenden Bad ist es genau umgekehrt, am Anfang badet man heiß, um dann immer mehr kaltes Wasser hinzuzufügen.

Wann setzt man an- und absteigende Bäder ein?

In der Hydrotherapie gelten ansteigende Bäder als durchblutungsanregend und kreislauffördernd. Absteigende Bäder können bei funktionellen Durchblutungsstörungen sowie als Gefäßtraining bei Venenerkrankungen wirken.

Wie werden an- und absteigende Bäder angewendet?

Viele physiotherapeutische Praxen haben an- und absteigende Bäder im Behandlungsprogramm. Sie lassen sich aber auch zuhause durchführen. Wichtige Anwendungsformen sind:

  • Ansteigendes Armbad: Ausgangstemperatur ca. 32 Grad. Innerhalb von 15 Minuten heißes Wasser zuführen, bis eine Maximaltemperatur zwischen 40 und 42 Grad erreicht ist. Empfehlenswert bei Angina pectoris, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, insbesondere bei beginnenden Migräneanfällen, außerdem bei nicht-entzündlichem Rheuma und entzündlichen Erkrankungen der oberen Atemwege.
  • Ansteigendes Fußbad: Am besten vor dem Schlafengehen die Füße in etwa 33 Grad warmem Wasser baden. Nach und nach über 20 Minuten hinweg die Wassertemperatur auf maximal 40 Grad steigern. Anschließend die Füße gut abtrocknen und mindestens 20 Minuten Bettruhe einhalten. Ein ansteigendes Fußbad kann bei Beschwerden im Hals-Nasen-Rachenraum, zum Beispiel bei Halsschmerzen sowie bei chronischen Nasenneben- und Stirnhöhlenentzündungen, helfen.
  • Absteigendes Fußbad: Ausgangstemperatur in Höhe der aktuellen Körpertemperatur. Laufend (10-15 Minuten lang) kaltes Wasser zufügen, bis eine Wassertemperatur erreicht ist, die ca. 10 bis 15 Grad unter der Körpertemperatur liegt. Anschließend die Füße gut abtrocknen, Socken anziehen und mindestens 30 Minuten ruhen. Zur Behandlung von hohem Fieber (über 39 Grad).

Wann sind an- und absteigende Bäder nicht geeignet?

Gegen ansteigende Armbäder sprechen:

  • instabiler Angina pectoris
  • Bluthochdruck
  • akute Entzündungen
  • nervliche Störungen
  • Venenleiden der Arme

Ansteigende Fußbäder sollten nicht angewendet werden bei:

  • Krampfadern
  • Venenentzündungen und überstandenen Venenthrombosen
  • schweren arteriellen Durchblutungsstörungen
  • organischen Herzerkrankungen

Hydrotherapie: Wechselbäder

Was sind Wechselbäder?

Bei einem Wechselbad badet man abwechselnd in heißem und kaltem Wasser. Man unterscheidet Arm-, Fuß- und Sitzwechselbäder.

Wann setzt man Wechselbäder ein?

Wechselbäder können das Herz-Kreislaufsystem trainieren und das Immunsystem stärken. Sie werden zum Beispiel eingesetzt, um Infektionen, insbesondere Erkältungskrankheiten, vorzubeugen.

Das Armwechselbad steigert die Durchblutung des Kopfes und kann so Kopfschmerzen lindern. Ein Fußwechselbad stellt die Gefäße weit und fördert dadurch Durchblutung und Stoffwechsel. Das Sitzwechselbad kurbelt ebenfalls den Kreislauf an, fördert die Durchblutung des Unterleibes und kann Blasenschwäche lindern.

Wie werden Wechselbäder angewendet?

Bei allen Formen beginnt man mit einem längeren (5 Minuten) Bad in 36 bis 38 Grad warmem Wasser. Darauf folgt ein kürzeres Bad (ca. 10 bis 15 Sekunden) in rund 15 Grad kaltem Wasser. Wiederholt werden sollte das Ganze dreimal, den Abschluss sollte immer das Bad in kaltem Wasser bilden.

Wann sind Wechselbäder nicht geeignet?

In folgenden Fällen dürfen Wechselbäder nicht angewendet werden:

  • Bluthochdruck
  • Fieber
  • offene Wunden
  • Krebserkrankungen

Hydrotherapie: Medizinische Bäder mit Zusatz

Was sind medizinische Bäder mit Zusatz?

Bei dieser Methode der Hydrotherapie badet der Patient in warmem Wasser, dem bestimmte Wirkstoffe zugesetzt sind. Die Bandbreite der Zusätze ist groß – so kommen beispielsweise Blütenextrakte, Kräuter, Moor oder Schwefel zum Einsatz.

Wann setzt man medizinische Bäder mit Zusatz ein?

Je nach zugesetztem Wirkstoff kann ein medizinisches Bad unterschiedliche Beschwerden lindern, zum Beispiel:

  • Moorlaugenbäder helfen bei rheumatischen Beschwerden
  • Schwefelbäder wirken bei Gelenkrheuma, rheumatischen Erkrankungen von Muskeln und Nerven, Stoffwechselerkrankungen, Hauterkrankungen und schlecht heilenden Wunden.
  • Baldrianbäder beruhigen, entspannen und fördern den Schlaf.
  • Rosmarinbäder fördern unter anderem die Durchblutung der Haut.
  • Heublumenbäder behandeln Neuralgien, Ischialgie und rheumatische Beschwerden.
  • Kamillenbäder helfen bei entzündlichen Hauterkrankungen, schlecht heilenden Wunden, Abszessen, Furunkeln, infizierten Wunden, Analfissuren, Hämorrhoiden und Dekubitus (Druckgeschwür).

Wie werden medizinische Bäder mit Zusatz angewendet?

Medizinische Bäder werden in der Physiotherapie-Praxis individuell zubereitet. Die Badedauer beträgt etwa 20 Minuten, die Wassertemperatur variiert zwischen 33 und 39 Grad.

Wann sind medizinische Bäder mit Zusatz nicht geeignet?

Kontraindiziert sind Vollbäder bei:

  • fieberhaften und infektiösen Erkrankungen
  • schwerer Herzinsuffizienz
  • hochgradiger Koronarinsuffizienz
  • starkem Bluthochdruck

Darüber hinaus gelten spezifische Kontraindikationen für die einzelnen Zusätze. Ihr Physiotherapeut wird Sie umfassend beraten.

Hydrotherapie: Balneophototherapie

Was ist Balneophototherapie?

Diese Anwendung der Hydrotherapie kombiniert die Wirkung von Wasser und Licht. Der Patient badet in warmem, mit Salz angereichertem Wasser und wird zusätzlich mit UV-Licht bestrahlt. So wird im Prinzip ein medizinisches Bad im salzhaltigen Toten Meer mit seiner heilenden Wirkung auf die erkrankte Haut simuliert.

Wann setzt man Balneophototherapie ein?

Die Balneo- oder Licht-Bade-Therapie wird bei Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris)- und Neurodermitis-Patienten angewendet.

Wie wird Balneophototherapie angewendet?

Man unterscheidet zwischen der synchronen und der asynchronen Balneophototherapie.

Bei der synchronen Behandlung badet der Patient in warmem Wasser, das mit einer 10-prozentigen Totes-Meer-Salzlösung versetzt ist, und wird gleichzeitig mit UVB-Licht bestrahlt.

Asynchrone Balneophototherapie bedeutet, dass der Patient zuerst ca. 20 Minuten lang warm badet und anschließend bestrahlt wird. Beim Bad handelt es sich meist um ein Folienbad. Dabei wird der Patient in eine Folie gehüllt, die zuvor mit einer 25-prozentigen Kochsalzlösung befüllt wurde.

Bei einer sogenannten Bade-PUVA badet der Patient zunächst in einer lichtsensibilisierenden Lösung, um anschließend mit UVA Licht bestrahlt zu werden.

Wann ist Balneophototherapie nicht geeignet?

Eine Balneophototherapie sollte nicht durchgeführt werden bei:

  • Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Bluthochdruck
  • schweren Infektionserkrankungen
  • offenen Wunden

Die Verfahren der Hydrotherapie werden meist zusammen mit weiteren medizinischen Therapien und Heilmittelbehandlungen eingesetzt. Sie können deren Wirkung verstärken und so den Heilungsprozess unterstützen.

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