Schluckauf

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Schluckauf (mediz.: Singultus) ist zwar nervig, aber meist harmlos und vergeht nach einigen Minuten von selbst. Die Ursache der Hickser ist noch unklar. Womöglich ist Schluckauf einen Schutzreflex, der Babys bei der Entwicklung hilft. Erwachsenen scheint der Singultus hingegen nicht zu nutzen. In seltenen Fällen stecken Krankheiten, die behandelt werden sollten, hinter dem Schluckauf. Erfahren Sie hier, welche Ursachen ein Schluckauf haben kann und wie Sie ihn am besten wieder los werden.

Schluckauf

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Schluckauf (Singultus) ist ein Hicksen, das vier- bis 60-mal pro Minute auftreten kann
  • Ursache: Ruckartiges Zusammenziehen des Zwerchfells, was ein plötzliches, tiefes Einatmen bei verschlossener Stimmritze zur Folge hat - die Atemluft prallt ab, das Hicksgeräusch entsteht.
  • Auslöser: z. B. Alkohol, heiße oder kalte Speisen und Getränke, hastiges Essen, Erkrankungen wie Entzündungen (in Magen, Speiseröhre, Kehlkopf etc.), Refluxkrankheit, Geschwüre und Tumoren
  • Wann zum Arzt? Bei länger anhaltendem oder häufig wiederkehrenden Schluckauf sollten Sie zum Hausarzt bzw. Allgemeinmediziner gehen, um eine Krankheit als Ursache auszuschließen.
  • Diagnose: Patientengespräch, körperliche Untersuchung, ggf. weiterführende Untersuchungen wie Röntgen, Bronchienspiegelung, Blutuntersuchung etc.
  • Therapie: Meist erfordert Schluckauf keine Behandlung, weil er von allein verschwindet. Ansonsten helfen Tipps wie kurz Luft anhalten oder Wasser in kleinen Schlucken trinken. Gegen chronischen Schluckauf verschreibt der Arzt manchmal Medikamente. Eventuell sind auch Atemtraining, Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken sinnvoll.

Schluckauf: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Beim Schluckauf verkrampft das Zwerchfell abrupt. Als Reflex darauf schließt sich die Ritze zwischen den Stimmbändern, sodass die Luft nicht mehr entweichen kann. Dann baut sich ein Druck auf, der sich im charakteristischen Hicksen entlädt.

Die Hauptverantwortlichen für diesen Reflex des Zwerchfells sind der Zwerchfellnerv Nervus phrenicus und der Hirnnerv N. vagus, die auf bestimmte äußere Reize empfindlich reagieren. Das kann zum Beispiel zu warmes oder zu kaltes Essen, zu hastiges Schlucken, Alkohol oder Nikotin sein. Doch auch verschiedene Krankheiten können Schluckauf über die genannten Nerven oder direkt über das Zwerchfell auslösen.

Hält das Hicksen länger als zwei Tage an, spricht man von chronischem Schluckauf. Häufig lässt sich keine Ursache dafür feststellen.

Allgemeine Auslöser von Schluckauf

  • hastiges Essen und Schlucken
  • sehr voller Magen
  • heiße oder kalte Nahrung oder Getränke
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Stress, Aufregung, Anspannung oder Angst
  • Depressionen
  • Schwangerschaft, wenn der Embryo gegen das Zwerchfell drückt
  • Operationen im Bauchbereich, bei denen Nerven gereizt oder beeinträchtigt werden
  • Magenspiegelung, die den Kehlkopf und die dortigen Nerven reizt
  • einige Medikamente, zum Beispiel Narkosemittel, Beruhigungsmittel, Kortisonpräparate oder Antiepileptika

Erkrankungen als Ursache von Schluckauf

Schluckauf bei Kindern

Nicht nur Erwachsene trifft Schluckauf: Baby und Kleinkind können ebenfalls hicksen. Oft tun sie das sogar öfter als Jugendliche und Erwachsene. Selbst im Mutterleib können ungeborene Babys Schluckauf haben, was die Mütter mitunter spüren.

Warum das so ist, ist nicht abschließend geklärt. Einige Forscher vermuten, dass Schluckauf bei Babys verhindert, dass Wasser oder Nahrung in die Lunge gerät – es wäre demnach ein Schutzreflex. Nach einer anderen Theorie trainiert der Hickser bei Babys vor und nach der Geburt das Atmungssystem. Oder aber der Schluckauf hilft, Luft aus dem Säuglingsmagen zu befördern, um die Aufnahme von Milch zu erleichtern.

Was hilft gegen Schluckauf?

Meist geht Schluckauf von ganz alleine wieder weg. Was Sie selbst tun können bei Schluckauf, dazu geistern viele Ratschläge herum: ein Glas Wasser trinken, einen Löffel Essig mit Zucker in den Mund stecken und langsam schlucken oder sich erschrecken lassen – die Tipps und Hausmittel gegen Schluckauf sind so vielfältig wie abenteuerlich. Und fast alle entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage. Dennoch können sie helfen, die Atmung zu beruhigen und das verspannte Zwerchfell zu lockern.

Wenn man beispielsweise in kleinen Schlucken ein Glas Wasser trinkt, hält man dabei automatisch den Atem an. Das gleiche gilt für den Essig mit Zucker, der auf der Zunge zergeht und langsam geschluckt wird. Zu den weiteren Tipps gegen Schluckauf zählt, die Zunge rauszustrecken oder für einige Atemzüge nach hinten zu rollen. Das sorgt dafür, dass die Atmung stärker über den Bauch abläuft und ruhiger wird. Der Krampf im Zwerchfell kann sich lösen.

Eine solche Atemregulation lässt sich auch durch das Luftanhalten oder das Atmen in eine Tüte erreichen. Bei dieser Technik erhöht sich die Kohlendioxid-Konzentration (CO2) im Blut, was eine tiefe, gleichmäßigere Atmung provoziert. Aber Vorsicht, dabei kann es schnell zu Kreislaufproblemen kommen bis hin zur Bewusstlosigkeit!

Gegen Schluckauf hilft mitunter auch die sogenannte Vasalva-Methode, mit der man auch Druck auf den Ohren los wird: Halten Sie die Nase zu, schließen Sie den Mund und spannen Sie dann die Atemmuskulatur an, als würden Sie ausatmen. Der Druck wölbt das Trommelfell nach außen und presst den Brustraum zusammen. Halten Sie diesen Druck rund zehn bis 15 Sekunden aufrecht. Auch hier gilt: Übertreiben Sie es nicht mit Druck und Dauer der Übung.

Falls Sie auf kalte, heiße oder scharfe Speisen und Getränke öfters mit einem Schluckauf reagiern, müssen nicht zwingend ganz auf sie verzichten. Stattdessen sollten Sie besonders darauf achten, beim Essen und Trinken ruhig und gleichmäßig zu atmen. Auch sollten Sie dabei entspannt und aufrecht sitzen.

Was hilft gegen chronischen Schluckauf?

Liegt chronischem Schluckauf eine Krankheit zugrunde, wird der Arzt zunächst diese behandeln, etwa mit Medikamenten. So kann er beispielsweise Säurehemmer (Protonenpumpeninhibitoren) verschreiben, die Sodbrennen bekämpfen. In anderen Fällen profitiert der Patient von einem muskelentspannenden Mittel (Baclofen), einem Wirkstoff gegen Übelkeit (Domperidon) oder einem Medikament, das die Magen-Darm-Funktion fördert (ein sogenanntes Prokinetikum).

Einigen Patienten können auch bestimmte Mittel gegen epileptische Anfälle helfen (Antiepileptika), zum Beispiel Gabapentin oder Carbamazepin. Je nach Ursache des Schluckaufs kann der Arzt beispielsweise auch Beruhigungsmittel, Neuroleptika oder Cannabisprodukte empfehlen.

Auch ein chronischer Schluckauf ohne feststellbare Ursache (idiopathischer Schluckauf) lässt sich zum Teil mit Medikamenten behandeln.

Alternativ oder ergänzend zu einer medikamentösen Behandlung hilft möglicherweise ein Atemtraining oder eine Verhaltenstherapie. Bei diesen Kursen lernen die Betroffenen, sowohl einem Schluckauf vorzubeugen als auch auftretende Hickser wieder zu vertreiben. Den gleichen Zweck verfolgen auch diverse Entspannungstechniken, mit denen sich das außer Kontrolle geratene Zwerchfell wieder beruhigen lässt.

Schluckauf: Wann müssen Sie zum Arzt?

Ein Schluckauf ist meist nicht gesundheitsgefährdend. Hält er jedoch sehr lange an, kann das für die Betroffenen enorm belastend sein. Viele entwickeln dann Schlafstörungen oder Depressionen oder verlieren an Gewicht. Zudem kann ein langanhaltender oder häufig wiederkehrender Schluckauf auf eine zugrundeliegende Krankheit hindeuten. Deshalb sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn Sie regelmäßig oder länger als 48 Stunden am Stück Schluckauf haben – der Schluckauf also chronisch ist.

Rufen Sie sofort einen Notarzt, wenn neben dem Schluckauf weitere Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, Übelkeit oder Schwindel auftreten. Es könnte sich dann um einen Schlaganfall handeln, der sofort behandelt werden muss!

Schluckauf: Was macht der Arzt?

Die erste Anlaufstelle bei chronischem oder häufigem Schluckauf ist der Hausarzt oder Allgemeinmediziner. Er wird sich zuerst über das Patientengespräch (Anamnese) ein genaueres Bild von den Beschwerden und den möglichen Ursachen machen. Mögliche Fragen dabei sind:

  • Wann trat der Schluckauf auf?
  • Wie lange dauerte er an bzw. wie schnell kehrte er zurück?
  • Wie erlebten Sie den Schluckauf, wie heftig waren die Hickser?
  • Mussten Sie auch aufstoßen?
  • Kommen häufige Auslöser von Singultus bei Ihnen in Betracht, etwa kalte Speisen, hastiges Essen, Alkohol oder Zigaretten?
  • Leiden Sie derzeit unter Stress oder anderen psychischen Belastungen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja, welche und wie häufig?

Nach der Anamnese folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei interessieren den Arzt vor allem der Bauch- und Brustraum, der Hals sowie das Herz; er hört die Lunge ab, prüft die Atmung und testet das Nervensystem inklusive der Reflexe.

Daraus ergibt sich manchmal schon ein Verdacht, was den Schluckauf auslöst. Um die Diagnose abzusichern, kann der Arzt weitere Untersuchungen vornehmen oder den Patienten gleich an einen Spezialisten weiterleiten, beispielsweise an einen Internisten, Gastroenterologen, Neurologen oder Endokrinologen. Die weiteren Untersuchungen hängen vom konkreten Krankheitsverdacht ab. In Frage kommen unter anderem:

  • pH-Messung oder Probetherapie mit Säurehemmern bei Verdacht auf Reflux
  • Speiseröhren- und Magenspiegelung (Gastroskopie), um unter anderem eine Refluxkrankheit oder ein Magengeschwür auszuschließen
  • Ultraschalluntersuchung von Hals und Bauchraum
  • Röntgen des Brust- und Bauchbereichs
  • Atemfunktionstest, um Unregelmäßigkeiten in der Atemmuskulatur und insbesondere beim Zwerchfell festzustellen sowie die Lungentätigkeit zu prüfen
  • Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie)
  • Blutuntersuchung auf Entzündungsmarker und eventuelle Mangelerscheinungen
  • Elektrokardiografie (EKG) und Herz-Ultraschall (Echokardiografie), wenn das Herz beteiligt sein könnte
  • Computertomografie (CT) von Hals- und Brustbereich
  • Entnahme von Nervenwasser (Lumbalpunktion) bei Verdacht auf Entzündung der Nerven oder der Hirnhaut
  • Elektroenzephalografie (EEG) bei Verdacht auf Störungen des Nervensystems
  • Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) oder Computertomografie (CT) bei Verdacht auf eine Nervenschädigung
  • Ultraschall (Doppler-Sonografie) der Blutgefäße bei einem möglichen Herzinfarkt oder Schlaganfall

Lässt sich keine Ursache für den Schluckauf finden, spricht der Arzt von einem idiopathischen chronischen Schluckauf. Er ist aber recht selten.

Über diesen Text

Aktualisiert am:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen

  • Howes, D.: Hiccups: a new explanation for the mysterious reflex; in: BioEssays, Volume 34, Issue 6, Seiten 451–453, Juni 2012
  • S1-Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Neurogene Dysphagien (Stand: 2014)
  • Howes, D.: Hiccups: a new explanation for the mysterious reflex; in: BioEssays, Volume 34, Issue 6, Seiten 451–453, Juni 2012
Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Über die Autoren

Fabian Seyfried

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizi...

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