Hitzewallungen

Ingrid Müller

Ingrid Müller ist Chemikerin und Medizinjournalistin. Sie war zwölf Jahre Chefredakteurin von e-happiness. Seit März 2014 arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin unter anderem für Focus Gesundheit, das Gesundheitsportal ellviva.de, den Verlag living crossmedia und den Gesundheitschannel von rtv.de.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der e-happiness-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche verbinden die meisten Frauen unmittelbar mit den Wechseljahren (Klimakterium). Tatsächlich plagen fast alle Frauen in den Wechseljahren die unerwünschten Hitzeattacken. Sie zählen zu den fünf häufigsten klimakterischen Symptomen. Betroffene werden plötzlich mehrmals am Tag von Wärmewellen erfasst. Sie erröten und das Herz schlägt schneller. Lesen Sie, was außer den Wechseljahren sonst noch hinter den Hitzewallungen stecken kann und was Sie dagegen tun können.

Hitzewallungen

Kurzübersicht

  • Beschreibung: Hitzeschübe aufgrund sich weitender Blutgefäße und erhöhter Durchblutung, häufig während der Wechseljahre, oft begleitet von Druck im Kopf, Unbehagen, Herzklopfen
  • Ursachen: u. a. Hormonumstellung im Zuge der Wechseljahre, Kaffee-, Tee- oder Alkoholkonsum, stark gewürztes, sehr heißes oder schwer verdauliches Essen, Stress, Übergewicht, bestimmte Medikamente, Krankheiten wie Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Allergien oder Tumoren
  • Wann zum Arzt? bei heftigen Wechseljahresbeschwerden, Verdacht auf andere Ursachen als die Wechseljahre
  • Diagnose: Patientengespräch (Anamnese), körperliche Untersuchung (z.B. gynäkologische Untersuchung bei Verdacht auf Wechseljahre), weitere Untersuchungen je nach Verdacht z.B. Bestimmung der Schilddrüsenhormone, Allergietests, Darmspiegelung etc.
  • Therapie: je nach Ursache; bei Wechseljahren z.B. pflanzliche Präparate (mit Traubensilberkerze, Frauenmantel usw.), physikalische Verfahren (z.B. Moorbäder, Akupunktur), Hormonersatztherapie; bei anderen Auslösern wird die Grunderkrankung behandelt
  • Selbsthilfe: u. a. luftige Naturfaserkleidung, Normalgewicht halten oder erreichen, leicht verdauliche und wenig gewürzte Speisen, Entspannungsübungen, kühle Schlafumgebung

Hitzewallungen: Beschreibung

Hitzewallungen sind keine Seltenheit bei Frauen in den Wechseljahren. Bis zu 90 Prozent aller Frauen im Klimakterium erleben die unangenehmen Hitzeschübe. Allerdings ist nicht jede Frau gleich häufig, lang und intensiv von den Hitzewallungen betroffen. Die einen Frauen leiden mehr, die anderen weniger.

Hitzewallungen können Frauen in den Wechseljahren drei- bis 20-mal am Tag überfallen. Sie dauern einige Minuten an, manchmal auch länger. Oft kündigen sie sich durch ein Druckgefühl im Kopf oder ein diffuses Unbehagen an. Darauf folgen auf- und absteigende Wärmewellen, die den Oberkörper, den Hals und das Gesicht überfluten.

Wenn einen plötzlich eine solche Hitzewelle überrollt, liegt dass daran, dass sich die Blutgefäße plötzlich weiten und die Durchblutung in den äußeren (peripheren) Körperregionen zunimmt. In der Folge rötet sich die Haut, die Hauttemperatur steigt, und den Frauen bricht der Schweiß aus. Später kehrt sich das Ganze dann um: Durch das Schwitzen und den Abfall der Körperkerntemperatur beginnen die betroffenen Frauen nach einer Hitzewallung oft zu frieren.

Die Hitzewallungen werden oftmals von Herzklopfen begleitet. Dies ist aber kein Zeichen einer Herzerkrankung, sondern eine natürliche Reaktion des Kreislaufs. Meist beruhigt sich der Herzschlag schnell wieder. Die Hitzeschübe können auch nachts auftreten und den Frauen den Schlaf rauben. Am Anfang der Wechseljahre sind die Hitzewallungen am häufigsten, danach nehmen sie langsam wieder ab. Nach ein oder zwei Jahren verschwinden sie meist von alleine.

Hitzewallungen: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Am häufigsten stehen Hitzewallungen mit den Wechseljahren in Zusammenhang. Es gibt aber auch andere mögliche Auslöser wie Lebensstilfaktoren, Medikamente und bestimmte Erkrankungen.

Wechseljahre

Der genaue Mechanismus, wie es in den Wechseljahren zu den Hitzeschüben kommt, ist noch unklar. Sicher ist aber, dass die Hormonumstellung eine wichtige Rolle spielt: Experten vermuten den Auslöser in einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin. Und dies wiederum könnte letztendlich auf das Absinken des Östrogenspiegels in den Wechseljahren zurückzuführen sein. Vereinfacht ausgedrückt: Der zunehmende Östrogenmangel scheint eine Fehlsteuerung der zentralen Thermoregulation im Gehirn zu verursachen.

Lebensstil

Neben den Hormonen können auch noch andere Faktoren die Hitzewallungen begünstigen. Sie betreffen eher den Lebensstil. Beispiele sind:

  • Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol
  • stark gewürzte Speisen
  • schwer verdauliches Essen
  • zu heiße Speisen und Getränke
  • Übergewicht
  • Stress
  • zu warme Schlafumgebung
  • falsche Kleidung (zu dick, nicht aus Naturfasern)

Medikamente

Auch einige Medikamente gehören zu den möglichen Auslösern von Hitzewallungen: Medikamente gegen hormonempfindlichen Brustkrebs versetzen die Frauen in die Wechseljahre – damit sind bei diesen Arzneien Hitzewallungen möglich, selbst bei jungen Frauen.

  • Antiöstrogene: Medikamente wie Tamoxifen oder Toremifen, blockieren die Andockstockstellen für Östrogen an eventuell noch vorhandenen Krebszellen - so können sie sich nicht mehr vermehren.
  • Aromatasehemmer: Sie blockieren die Östrogenproduktion in Muskel- und Fettzellen.
  • GnRH-Analoga: Sie sorgen auf Umwegen dafür, dass die Eierstöcke weniger Östrogene freisetzen.

Erkrankungen

Neben den Wechseljahren können Hitzewallungen im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten, unter anderem bei:

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Produziert das Organ zu viel der Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), beschleunigt dies die Stoffwechselprozesse und es kommt u. a. zu Hitzewallungen, Wärmeempfindlichkeit, raschem Schwitzen sowie warmer und feuchter Haut.
  • Unterzuckerung bei Diabetes: Schweißausbrüche sind hier ein Symptom für einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel.
  • Allergien: Durch die allergische Reaktion kann es zu Hitzewallungen kommen.
  • Tumoren des endokrinen Systems (Karzinoide): Hier bildet sich der Krebs aus hormonbildenden Zellen meist im Magen-Darm-Trakt. Solche Tumoren können mit Hitzewallungen einhergehen.

Hitzewallungen: Wann müssen Sie zum Arzt?

Die Wechseljahre sind insgesamt mit unangenehmen Symptomen verknüpft. Dazu gehören Schlafstörungen, depressive Symptome, Libidoverlust, Gewichtszunahme und eben Hitzeschübe. In der Regel verursachen Hitzewallungen nur mäßige Beschwerden. Wenn die Schübe (und eventuell auch andere Wechseljahresbeschwerden) allerdings so heftig ausfallen, dass sie das Alltagsleben und die Lebensqualität entscheidend beeinträchtigen, sollten Sie Ihren Arzt um Rat fragen.

Wenn Wechseljahre nicht der Grund für die Hitzewallungen sein können , sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen. Es gilt, mögliche Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Allergien oder Tumoren als Ursache auszuschließen.

Hitzewallungen: Was macht der Arzt?

Frauen mit Hitzewallungen suchen am besten ihren Gynäkologen auf, denn in den meisten Fällen sind die Wechseljahre die Ursache für die unberechenbaren Schweißausbrüche. Kommen Wechseljahre als Ursache der Hitzewallungen nicht in Frage, sollten Sie zuerst zum Hausarzt gehen. Es kann sie gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen (z.B. einen Allergologen bei Verdacht auf eine Allergie).

Untersuchungen und Diagnose

Der Arzt wird sich im Anamnese-Gespräch zuerst ausführlich die Symptome schildern lassen. Ein Frauenarzt erkundigt sich zudem nach eventuellen Zyklusstörungen. Darüber hinaus können Informationen zum Lebensstil, zu eventuellen Grunderkrankungen und der Einnahme von Medikamenten ebenfalls hilfreich sein, besonders wenn Wechseljahre als Ursache für die Hitzewallungen unwahrscheinlich sind.

Beim Frauenarzt schließt sich an das Gespräch eine gynäkologische Untersuchung an. Ansonsten kann routinemäßig eine körperliche Untersuchung erfolgen (z.B. mit Blutdruckmessung).

Eine Blutuntersuchung kann ebenfalls Hinweise auf die Ursache der Hitzewallungen liefern. Die Messung der weiblichen Geschlechtshormone erlaubt Rückschlüsse darauf, ob eine Frau in den Wechseljahren ist oder nicht. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion wird der Arzt besonders auf die Messwerte der Schilddrüsenhormone achten.

Kommt eine Allergie als Auslöser der Hitzewallungen in Betracht, können Allergietests Gewissheit bringen. Untersuchungen des Magen-Darm-Trakts (etwa mittels Darmspiegelung, Computertomografie oder Kernspintomografie) können hormonbildende Tumoren als Ursache der Hitzewallungen identifizieren.

Therapie

Viele Frauen in den Wechseljahren wollen die Hitzewallung auf sanfte Art behandeln. Die Pflanzenheilkunde empfiehlt hier zum Beispiel die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), am besten in Form von Fertigpräparaten (Tabletten). Auch andere Pflanzen wie Rotklee, Soja, Salbei, Frauenmantel und Schafgarbe werden häufig gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche in den Wechseljahren eingesetzt. Ihre Wirksamkeit ist teils nicht belegt oder umstritten. Manche Frauen berichten aber über eine Besserung der Beschwerden nach der Anwendung solcher Heilpflanzen.

Physikalische Therapieverfahren, die bei Hitzewallungen in den Wechseljahren helfen können, sind zum Beispiel Moorbäder sowie wechselwarme Fußbäder oder Teilgüsse. Auch Kneipp-Anwendungen (z.B. kaltes und warmes Wechselduschen) verschaffen manchen Frauen Linderung. Akupunktur soll die Symptome ebenfalls bessern können – wissenschaftlich bewiesen ist das aber noch nicht.

Wenn die Hitzewallungen und andere Wechseljahresbeschwerden den Alltag extrem beeinträchtigen, empfehlen Mediziner meist eine Hormonersatztherapie (HRT). Die regelmäßige Einnahme von Hormonen ist aber mit Vorsicht zu genießen, weil sie mit erheblichen Krankheitsrisiken verbunden ist. Dazu zählen Brustkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombosen. Frauen sollten daher die Entscheidung ausführlich mit ihrem Arzt besprechen und das Für und Wider sorgfältig abwägen.

Bei Schilddrüsenüberfunktion, Krebs oder einer Allergie als Ursache der Hitzewallungen muss die Grunderkrankung behandelt werden. Dann bekommt man auch die Hitzeschübe in den Griff.

Hitzewallungen: Das können Sie selbst tun

Einige einfache Maßnahmen können die Hitzewallungen und Schweißausbrüche lindern helfen:

  • Passen Sie Ihre Kleidung an die wechselnden Temperaturempfindungen an: Tragen Sie zum Beispiel zwei dünne Kleidungsstücke übereinander, sodass Sie eines davon bei Bedarf ausziehen können. Das Motto heißt hier: luftig anziehen!
  • Wählen Sie Kleidung aus Naturfasern. Mit Textilien aus purem Kunststoff oder Mischgewebe schwitzen Sie noch mehr.
  • Essen Sie leicht verdauliche Speisen, etwa viel Obst, Gemüse und Salate.
  • Meiden Sie stark gewürztes Essen - das bringt Sie erst recht ins Schwitzen.
  • Trinken Sie weniger Kaffee, Schwarztee und Alkohol, besonders am Abend.
  • Bewegen Sie sich ausreichend: Manchmal hilft schon ein Spaziergang an der frischen Luft.
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht. Bleiben Sie am besten schlank bzw. versuchen Sie, überschüssige Pfunde abzuspecken. Übergewichtige Menschen schwitzen stärker.
  • Erlernen Sie eine Entspannungsübung, etwa autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung. Dies wirkt Stress entgegen, der ebenfalls Hitzewallungen auslösen kann.
  • Schlafen Sie in kühlen Räumen und verwenden Sie Bettwäsche aus Baumwolle. Eine warme Umgebung verlängert die Dauer der Hitzewallungen. Eine kühle Umgebung dagegen kann Hitzewallungen verhindern beziehungsweise abschwächen.
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