Eingerissene Mundwinkel

Hanna Rutkowski

Hanna Rutkowski ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion.

Eingerissene Mundwinkel (mediz.: Mundwinkelrhagaden) entstehen oft im Rahmen einer Erkältung oder im Winter, wenn die Lippen trocken sind. Der Kontakt mit sauren und salzigen Speisen, Zahnpasta oder Speichel verursacht dann brennende Schmerzen. Zudem können sich Bakterien und Pilze in den offenen Stellen einnisten und Entzündungen auslösen. Wie Sie eingerissene Mundwinkel pflegen und welche Krankheiten dahinterstecken können, erfahren Sie hier.

Eingerissene Mundwinkel

Kurzübersicht

  • Beschreibung: verletzte, aufgesprungene Lippenhaut im Bereich der Mundwinkel
  • Ursachen: z. B. Beanspruchung oder Erkrankungen der Haut, Vitaminmangel (z.B. Eisenmangel), Infektionen, Zahnversorgung, Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen
  • Wann zum Arzt? bei wiederholtem Auftreten oder wenn die Risse hartnäckig sind
  • Diagnose: visuelle Begutachtung, Abstrich am Mundwinkel, Blutuntersuchung
  • Behandlung: u. a. eingerissene Mundwinkel trocken halten, reizende Speisen meiden, ggf. Vitamin-/Mineralstoffmangel beheben, Lippen pflegen

Eingerissene Mundwinkel: Beschreibung

Kälte, Heizungsluft, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme über eine längere Zeit hinweg oder bei einem dicken Schnupfen durch den Mund atmen zu müssen – all das strapaziert die empfindlichen Lippen. Im Gegensatz zur restlichen Haut haben sie weder einen schützenden Fettfilm, noch Talg- oder Schweißdrüsen. Entsprechend schnell trocknen sie aus und brechen irgendwann auf, wenn man nicht gegensteuert. Der Reflex, über trockene Lippen zu lecken, macht das Feuchtigkeitsdefizit noch größer.

Eingerissene Mundwinkel sind meist ein vorübergehendes Problem. Die sensible Lippenhaut ist in diesem Bereich verletzt und aufgesprungen. Häufig entwickeln sich zusätzlich Entzündungen, Krusten und Rötungen.

Das auch als Mundwinkelrhagaden, Perleche oder Cheilitis angularis bezeichnete Symptom ist aber nicht nur ein kosmetisches Problem.

Der Kontakt mit sauren oder salzigen Speisen löst einen brennenden Schmerz aus, der jeden Bissen zur Qual werden lässt. Unangenehm kann auch die Berührung mit der Zahnpasta beim Zähneputzen werden, und selbst der Kontakt mit Speichel kann schmerzhaft sein.

Außerdem: Eingerissene Mundwinkel heilen oft schlecht. Denn bei weiten Mundbewegungen, zum Beispiel beim Gähnen oder Lachen, aber auch beim Zähneputzen oder Sprechen, werden die Mundwinkel beansprucht, reißen immer wieder auf, und die Heilung verzögert sich erneut.

Eingerissene Mundwinkel bieten Bakterien, Viren und Pilzen eine ideale Brutstätte – es können Entzündungen entstehen. So kann aus den plötzlich auftretenden Mundwinkelrhagaden schnell ein längerfristiges Problem werden.

Eingerissene Mundwinkel: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Neben kalter, trockener Luft, Erkältung und Feuchtigkeitsmangel können noch weitere Faktoren die Lippen trocken werden und die Mundwinkel einreißen lassen. Dazu gehören zum Beispiel:

Beanspruchungen der Haut

Eingerissene Mundwinkel entstehen bei extrem trockener und spröder Haut. Auch wenn ständig die Lippen befeuchtet werden oder ein vermehrter Speichelfluss vorliegt, zum Beispiel durch eine (schlechtsitzende) Prothese oder Zahnspange, können die Mundwinkel einreißen.

Vitaminmangel

  • Eisenmangel: Bei der Eisenmangelanämie kommt es typischerweise zu Mundwinkelrhagaden, brüchigen Nägeln, spröden Haaren und einer rötlichen, brennenden Zunge (Lackzunge). Ärzte sprechen auch vom Plummer-Vinson-Syndrom.
  • Zinkmangel: Ein intaktes Immunsystem ist auf genügend Zink angewiesen. Gerade bei einer Abwehrschwäche treten oft lästige, schmerzende Einrisse am Mund auf.
  • Vitamin B2-Mangel: Vor allem Schwangere oder Alkoholkranke sind häufig betroffen. Neben Mundwinkelrhagaden kommt es dabei auch zu Hautausschlägen und Lichtempfindlichkeit.
  • Vitamin C-Mangel: Nach längerer Zeit macht sich der Vitamin-C-Mangel als sogenannter Skorbut mit eingerissenen Mundwinkeln, Zahnfleischbluten und weiteren Symptomen bemerkbar.

Infektionen

Bestehen die eingerissenen Mundwinkel schon länger, bieten sie Bakterien und Pilzen eine gute Nische zum Einnisten. Aber auch bei einer Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans sind stark gerötete, eingerissene Mundwinkel häufig. Typischerweise sind sie von einem weißen, abstreifbaren Belag überzogen. Auch das Herpes-Simplex-Virus, welches sich durch Bläschen an den Lippen äußert, kann Mundwinkelrhagaden verursachen.

Hauterkrankungen

Bei einer Allergie, Neurodermitis oder beim seborrhoischen Ekzem (ein chronisch-entzündlicher Ausschlag, der vor allem am Kopf auftritt) bilden sich schuppende, juckende Hautausschläge im Gesicht; auch die Lippen sind mitunter wie die Mundwinkel eingerissen.

Zahnverlust

Beim Verlust von Seitenzähnen, die nicht ersetzt werden, kann es durch fehlende Abstützung zu einem Absinken der Bisshöhe kommen. Das ist nicht nur ästhetisch ein Problem („Greisengesicht“). Die Kinnpartie ist verkürzt und nach vorne verschoben. Es bildet sich eine feuchte Kammer in den  Mundwinkeln, was zu Rhagaden führen kann.

Leberzirrhose

Das Endstadium chronischer Lebererkrankungen äußert sich mit Gelbsucht, Bauchwassersucht (Aszites), eine Lackzunge (rötlich brennende Zunge) sowie eingerissene Mundwinkel.

Diabetes mellitus

Trockene Haut und eingerissene Mundwinkel können die Zuckerkrankheit begleiten, besonders in frühen Stadien.

Autoimmunerkrankung

Besonders Frauen sind von der Autoimmunerkrankung Sjögren-Syndrom betroffen. Es werden dabei die Speicheldrüsen zerstört. Nach den Wechseljahren leiden viele Frauen dann unter einem extrem trockenen Mund und trockenen Augen, was die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Sprach- und Schluckstörungen, Geschmacksveränderungen und trockene Lippen sowie Mundwinkelrhagaden sind nur einige Symptome.

Eingerissene Mundwinkel: Wann müssen Sie zum Arzt?

Sind die Mundwinkel aufgrund einer Kombination aus trockener Heizungsluft und Kälte im Winter aufgesprungen, lässt sich das Problem meist mit pflegenden Lippencremes und Salben gut in den Griff bekommen. Spätestens nach ein paar Tagen sollten die eingerissenen Mundwinkel verschwunden sein.

Wenn sie jedoch immer wieder auftreten oder mithilfe von Pflegeprodukten nicht weg gehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Gerade bei Frauen ist häufig ein Eisenmangel der Grund - durch richtige Ernährung oder eine vorübergehende Einnahme eines Eisenpräparats (unter ärztlicher Kontrolle!) lässt er sich meist beheben.

Besonders im Winter kann sich die Heilung der eingerissenen Mundwinkel verzögern, weil das Immunsystem ohnehin geschwächt ist. Bilden sich zusätzlich Entzündungen, Krusten oder Beläge, kann es sich auch um Bakterien- oder Virusinfektionen handeln, die ein Arzt aber gut behandeln kann.

Eingerissene Mundwinkel: Was macht der Arzt?

Ihr erster Ansprechpartner bei eingerissenen Mundwinkeln, die immer wiederkommen oder nicht verschwinden wollen, ist der Hausarzt. Er wird zunächst im Gespräch (Anamnese) wichtige Informationen von Ihnen einholen. Beispielsweise kann er fragen, ob Sie Medikamente einnehmen, ob irgendwelche Grunderkrankungen vorliegen und ob Sie noch weitere Beschwerden haben.

Weitere mögliche Diagnoseschritte bei eingerissenen Mundwinkeln sind:

  • Inspektion: Durch die visuelle Begutachtung (Inspektion) der Mundwinkel kann der Arzt schon erste Rückschlüsse auf die Ursache ziehen. Bläschen deuten auf eine Herpes-Simplex-Infektion hin. Weiße Beläge auf den eingerissenen Mundwinkeln und im Mund sprechen für einen Mundsoor. Die Beläge bei dieser Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans sind leicht abzuwischen, darunter befindet sich eine gerötete, blutende Schleimhaut. Auch Missempfindung wie ein Brennen der Zunge oder ein seltsamer Geschmack im Mund treten hier vermehrt auf.
  • Abstrich: Ein Abstrich am eingerissenen Mundwinkel kann bei bakteriellen Infektionen Aufschluss über die Art der Erreger geben, aber auch einen Mundsoor bestätigen.
  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann einen Mangel an Eisen, Zink oder Vitaminen nachweisen.
  • Allergietests: Sie können hilfreich sein, wenn die eingerissenen Mundwinkel nicht verschwinden wollen. Auslöser könnte ein Lippenstift oder eine Creme sein, die man nicht verträgt.

Auch ein Besuch beim Zahnarzt kann hilfreich sein, denn die eingerissenen Mundwinkel können auf eine alte oder fehlende Versorgung der Zähne hindeuten. Gerade bei älteren Patienten sind die geröteten Mundwinkelrhagaden häufig zu beobachten, wenn die Zahnprothesen schon alt und abgetragen sind. Hier kann ein Zahnarzt aber schnell und einfach Abhilfe schaffen.

Eingerissene Mundwinkel: Das können Sie selbst tun

Eingerissene Mundwinkel sind unangenehm, aber kein Schicksal, das man hinnehmen muss. Jeder kann selbst einiges tun, um die Lippen geschmeidig zu machen oder zu halten und es so gar nicht erst zu den Rissen kommen zu lassen. Folgende Tipps werden empfohlen:

  • Trocken halten: Sind Ihre Mundwinkel eingerissen, halten Sie sie möglichst trocken. Eine durch Speichel genährte, feuchte Ecke bietet nämlich einen guten Unterschlupf für Bakterien und andere Erreger. Diese können Entzündungen verursachen.
  • Reizendes vermeiden: Verzichten Sie am besten auf scharfe, saure oder salzige Speisen. Der Kontakt mit diesen Lebensmitteln ist schmerzhaft und reizt die Mundwinkelrhagaden noch mehr. Auch beim Zähneputzen sollten Sie vorsichtig sein und eine Berührung mit Zahnpasta an den empfindlichen Stellen vermeiden.
  • Mangel beheben: Ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel als Ursache der eingerissenen Mundwinkel lässt sich meist durch eine ausgewogene Ernährung beheben. Vitamin C findet sich besonders in Zitrusfrüchten, Vitamin B2 (Riboflavin) steckt in Vollkornprodukten, Fleisch, Fisch und Milchprodukten. Einem Eisenmangel können Sie durch Fleisch und rote Früchte vorbeugen. Das Immunsystem lässt sich durch Zink stärken – es findet sich reichlich in Eiern, Milch und Getreide.
  • Honig ums Maul schmieren: Eine Paste aus Honig und etwas Olivenöl hilft. Tragen Sie diese morgens und abends auf die eingerissenen Mundwinkel auf. Die Paste lindert die Beschwerden schnell und macht die Haut geschmeidig.
  • Lippenpflegestifte: Rückfettende Lippenpflege für die Hosentasche kann vor allem im Winter eingerissene Mundwinkel verhindern.
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