Doping - Siegen mit Rausch

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness.

Anabolika, Wachstumsfaktoren, Blutdoping - es gibt eine Reihe von Substanzen und Verfahren, mit denen (Profi-)Sportler ihre Leistung auf illegale Weise steigern können. Diese Dopingsünder stehen im Fokus der World Anti-Doping Agency (WADA) und nationaler Anti-Doping-Organisationen.

Droge "Siegen"

Der Radfahrer im weißen T-Shirt mit Union Jack hat einen hochroten Kopf, der Schweiß perlt vom Gesicht. Keuchend tritt er in die Pedale seines Rennrades und kämpft sich schlingernd den Berg hinauf. Dass es zum Gipfel des Mont Ventoux ein mörderischer Anstieg ist, wissen alle. Dass es ein mörderischer Berg sein wird an diesem 13. Juli 1967, das werden sie bald erfahren. Ein paar Sekunden zuvor war der Engländer Tom Simpson schon einmal gestürzt. Helfer hievten ihn wieder aufs Rad und er fuhr weiter, aber nur noch wenige Meter. Als der Radprofi zum zweiten Mal vom Drahtesel fällt, soll er schon klinisch tot gewesen sein. Nichts und niemand kann den sympathischen Engländer ins Leben zurückholen. Sein Doping: Amphetamin und Alkohol. Seine Droge: Siegen.

Schneller, stärker, weiter, tot

"Citius, fortius, altius" - schneller, stärker, weiter - so lautet das offizielle Motto der Olympischen Spiele der Neuzeit. Vorgeschlagen hat es Pierre de Coubertin für die Olympiade 1896. Die gut gemeinte Anstachelung wurde für einige Sportler zum Stachel im Sportlerherzen, der sie von fairen Wettkämpfern zu egoistischen Besessenen machte. Jedes schmutzige Mittel zum Siegen war ihnen recht - ohne Rücksicht auf saubere Konkurrenten. Als der Sport immer kommerzieller wurde, waren diese Desperados ein gefundenes Fressen für Sponsoren. Der Teufelskreis aus Siegen, Dopen und Zahlen hatte sich geschlossen. Nirgendwo deutlicher ließ sich das erkennen als bei der Tour der France 2007. Der Dopingsumpf schluckte viele Favoriten und ARD und ZDF stellten sogar ihre Berichterstattung ein.

Streben und Irren

Das Streben nach dem Sieg im Wettkampf gehört sicher zur Grundausstattung des menschlichen Charakters - und deswegen wurden Sportwettkämpfe ja überhaupt erst erfunden. Auch in der Antike genoss der sportliche Sieger bereits Privilegien, doch seit dieser Zeit hat sich das "Preis-Leistungsverhältnis" im Sport gewaltig verändert. Olympia-, Wimbledon-, Tour der France-Sieger etc. werden heute Multimillionäre. Hier hat sich das Streben ins Unermessliche verirrt und ein Irrtum ist es auch, zu glauben, dass Doping ethisch legitim und mit der Gesundheit vereinbar sei. Wer als Sportler dopt, betrügt die Konkurrenten und die Fans. Wer als Arzt wissentlich und absichtlich dopt, bricht sein Gelübde und verleugnet sein Wissen um die tödliche Gefahr.

Ein Schnäpschen in Ehren

Die Herkunft des Wortes Doping geht auf südostafrikanische Eingeborene zurück, welche bei Dorffeiern einen berauschenden Schnaps namens Dop tranken. Die Buren übernahmen das Wort und bezeichneten damit generell Getränke mit stimulierender Wirkung. Das Wort gelangte nach England, erschien dort 1889 zum ersten Mal in einem Lexikon als Synonym für ein Aufputschmittel für Pferde. Der Begriff Doping als Stimulans war somit in der Welt und startete seinen verhängnisvollen Siegeszug in den Sport.

Was genau bedeutet "Doping"?

So wie Doping und Dopingsünder den Fahndern immer durch die Finger flutschen, so schwer fällt eine definitive Definition von Doping. Die aktuelle Definition laut World Anti-Doping Agency (WADA) besagt: Unter Doping versteht man alle Verstöße gegen die geltenden Anti-Doping-Bestimmungen. Zu diesen Bestimmungen zählen zum Beispiel das Vorhandensein einer verbotenen Substanz im Körper eines Sportlers, die Weigerung, eine Blut- oder Urinprobe zur Dopingkontrolle abzugeben sowie auch die Beihilfe zum Doping.

Die Verbotsliste

Welche leistungssteigernden Substanzen und Methoden verboten sind, wird von der WADA jedes Jahr in einer aktualisierten Liste veröffentlicht. Sie erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, weil sich in der Medizin vieles schnell ändert und immer neue Möglichkeiten erforscht werden. Derzeit gültig ist die WADA-Verbotsliste 2019.

Zu allen Zeiten verboten

beinhaltet folgende Substanzen und Methoden, die in und außerhalb von Wettkämpfen verboten sind:

Verbotene Substanzen

  • Anabole Substanzen (Anabolika)
  • Peptidhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Substanzen und Mimetika
  • Beta-2-Agonisten
  • Hormon- und Stoffwechsel-Modulatoren
  • Diuretika und Maskierungsmittel

Verbotene Methoden

  • Manipulation von Blut und Blutbestandteilen
  • Chemische und physikalische Manipulation (z.B. Austausch oder Verfälschung des Urins für Urinproben)
  • Gen- und Zell-Doping

Während Wettkämpfen verboten

Zudem sind laut der WADA-Verbotsliste 2019 folgende Substanzen in Wettkämpfen verboten:

  • Stimulanzien
  • Narkotika
  • Cannabinoide
  • Glucocorticoide
  • Diuretika und Maskierungsmittel

Verbote für bestimmte Sportarten

Darüber hinaus sind sogenannte Betablocker in bestimmten Sportarten verboten (teils nur in Wettkämpfen, teils auch außerhalb davon), zum Beispiel im Skifahren, Snowboarding, Bogenschießen, Billiard, Golf und Motorsport. Betablocker sind übrigens Arzneistoffe, die über bestimmte Mechanismen die Wirkung von Stresshormonen hemmen, sodass Blutdruck und Herzfrequenz sinken.

Verbotene Substanzen

Im Folgenden finden Siegenauere Informationen zu Wirkungen und Risiken verschiedener Dopingmit

Stimulantien
WirkungAufputschmittel (z.B. Amphetamin), welche die Aktivität des Zentralnervensystems stimulieren. Sie steigern das Selbstvertrauen, bewirken eine kurzfristige Leistungssteigerung und verdrängen Ermüdungsgefühle.
Negative FolgenÜberlastung bis zu Erschöpfung oder Tod. Tom Simpson starb wegen Amphetaminen, weil er sich in der Hitze überlastete.
Einsatz in der MedizinIn vielen Erkältungsmitteln (Ephedrin) zu finden.
Einsatz als DopingRückläufig wegen effektiver Kontrollen.
Narkotika
WirkungSchmerzmittel aus der Klasse der Opiate, wirken auf das Nervensystem, dämpfen den Schmerz und heben die Stimmung.
Negative FolgenHohes Suchtpotential. Die veränderte Selbstwahrnehmung kann zu Überlastung, Herzversagen oder Tod führen.
Einsatz in der MedizinSchmerzstillung starker Schmerzzustände.
Einsatz als DopingWegen effektiver Kontrollen kaum noch eingesetzt.
Cannabinoide
WirkungTetrahydrocannabinol (THC), der Wirkstoff der Cannabispflanze, erhöht die Aktivitäten bestimmter Hirnstrukturen und regt die Produktion des Glückshormons Serotonin an.
Negative FolgenDurch das Unterbinden von Ängsten steigt die Risikobereitschaft, was die Sicherheit der Sportler gefährdet.
Einsatz in der MedizinSchmerzstillung, erwünschte Appetitsteigerung.
Einsatz im SportWird weiterhin eingesetzt, obwohl es nach dem Gebrauch noch lange Zeit rückwirkend nachweisbar ist.
Anabole Wirkstoffe
WirkungFörderung des Muskelwachstums und der Muskelkraft.
Negative FolgenErhöhte Aggressionsbereitschaft. Bei Frauen Vermännlichung, bei Männern Verweiblichung des äußeren Erscheinungsbildes. Störungen des Herz-Kreislauf-Systems, Entwicklung von Bluthochdruck.
Einsatz in der MedizinNur noch selten, so zum Beispiel bei Erkrankungen mit Hormonstörungen.
Einsatz im SportIn beinahe allen Sportarten, bei denen Kraftaufbau oder -zuwachs erwünscht ist. Berühmtestes Beispiel: Der Fall Ben Johnson bei der Olympiade 1988.
Peptidhormone
WirkungKörpereigene Substanzen, welche hormonelle Regelungen beeinflussen. Bekanntester Vertreter in Bezug auf Doping: Das Erythropoetin, EPO, welches die Bildung roter Blutkörperchen anregt und damit den Sauerstoffgehalt im Organismus erhöht.
Negative FolgenVerdickung des Blutes, was zu Thrombosen und schlimmstenfalls zum Tode führen kann.
Einsatz in der MedizinNierenkranke Patienten, deren Nieren kein EPO mehr produzieren können, erhalten künstliches EPO und sind so nicht mehr auf Bluttransfusionen angewiesen.
Einsatz im SportMissbräuchlich eingesetzt bei Ausdauersportarten zur Steigerung der aeroben Leistungsfähigkeit durch Erhöhung des Sauerstoffgehaltes im Blut. Erst seit 2001 im Urin nachweisbar. Gegenstand der gegenwärtigen Welle von Dopingfällen im Radsport.
Beta-2-Agonisten
WirkungWirken erweiternd auf die Bronchien.
Negative FolgenErhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks.
Einsatz in der MedizinZur Behandlung von Bronchialasthma.
Einsatz im SportZur kurzfristigen Leistungssteigerung durch Bronchienerweiterung.
Maskierungsmittel
WirkungNicht direkt leistungssteigernd, können aber die Einnahme verbotener Substanzen verschleiern. Beispiel: Sogenannte Plasmaexpander verschleiern die Einnahme von EPO, indem sie den Hämatokritwert (Hämatokrit: Anteil aller zellulären Bestandteile des Blutes) senken.
Negative Folgen eines PlasmaexpandersBlutdruckabfall, Schwindel, Atem- und Kreislaufstillstand.
Corticosteroide
WirkungEntzündungshemmend, Unterdrückung des Schmerzempfindens.
Negative FolgenPsychische Störungen, Bluthochdruck.
Einsatz im SportEher kontraproduktiv, aber vermutlich trotzdem Einsatz wegen euphorisierender Wirkung.

Verbotene Methoden

Verbotene Doping-Methoden haben folgende Wirkungen beziehungsweise Risiken:

Blutdoping
BeschreibungVerabreichung eigenen oder fremden Blutes zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung.
Negative FolgenSiehe EPO. Bei Fremdblut außerdem Unverträglichkeitsreaktionen, Übertragung von Hepatitis oder HIV.
Einsatz im SportDurch die Nachweisbarkeit von EPO wieder vermehrt im Einsatz.
Gendoping
BeschreibungIn der Medizin als Therapie bei Krankheiten verwendet, die auf Gendefekten basieren.
Negative FolgenNoch nicht komplett erforscht. Vermutet werden aber im schlimmsten Fall Folgeerkrankungen wie Leukämie.
Einsatz im SportNoch keine bekannten Fälle im großen Stil. Experten sind sich uneinig. Einige vermuten jedoch den missbräuchlichen Einsatz von Gendoping bereits bei der Olympiade in Peking, z.B. zur Steigerung des Muskelwachstums.

Rechtliche Lage

Bei Verstößen gegen das Anti-Doping-Gesetz drohen empfindliche Geldstrafen oder mehrjährige Freiheitsstrafen.

Außerdem werden Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen der WADA mit klaren Sanktionen geahndet: Sportler, die bei einer Dopingkontrolle positiv getestet werden, können je nach Substanz von weiteren Wettkämpfen ausgeschlossen werden. Wenn jemand im Wettkampf gedopt ist und erwischt wird, können Erfolge (wie Goldmedaillen etc.) auch rückwirkend aberkannt werden. Bei Mannschaftssportarten kann das auch für das gesamte Team gelten. Zudem wird gegen den jeweiligen Sportler immer ein Verfahren eröffnet, das mit mehrjährigen bis lebenslänglichen Sperren enden kann. Nicht zuletzt muss der Betreffende oftmals auch erhaltene finanzielle Förderungen und Preisgelder zurückzahlen.

Die Strafen bei Doping sind also zurechtermaßen streng. Denn Recht hat im Sport nicht der, der gewinnt, sondern der, der sauber Sport treibt.

Ekkehard Brandhoff hat Medizin und Sport studiert, er lebt und arbeitet als Freier Journalist in München.

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