Joggerin im Abendlicht

Wie Sport wirkt, hängt von der Tageszeit ab

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Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Macht es einen Unterschied, ob man morgens oder abends Sport treibt? Jawohl! Wirksam ist beides - doch auf unterschiedliche Art.

Das haben dänische Forscher zumindest in einem Mäuse-Experiment herausgefunden. Dazu schickten Wissenschaftler der Universität Kopenhagen ihre Labornager entweder zu Beginn ihrer aktiven Tagesphase oder an deren Ende ins Laufrad. Für die nachtaktiven Tiere bedeutet das Anfang und Ende der Dunkelheit, für den Menschen wäre es entsprechend der Morgen und Abend.

Das Ergebnis des Mäuse-Tests: „Sport am Morgen aktiviert Gene in Muskelzellen, die bewirken, dass sie Fett und Zucker besser verstoffwechseln können“, berichtet Prof. Jonas Thue Treebak vom Novo Nordisk Foundation Center for Basic Metabolic Research in Kopenhagen.

Morgensport für Diabetiker

Diese Wirkung könnte insbesondere für Menschen mit Typ 2-Diabetes interessant sein. Zentrales Problem bei dieser Erkrankung ist die sogenannte Insulinresistenz. Die Körperzellen, insbesondere die der Muskulatur, können zunehmend schlechter Zucker aus dem Blut aufnehmen.

Dass Sport diesem Problem entgegenwirkt, weiß man schon lange - der Blutzuckerspiegel verbessert sich auch dauerhaft wieder. Den neuen Ergebnissen zufolge könnte körperliches Training diese erwünschte Wirkung am Morgen möglicherweise noch besser entfalten als am Abend.

Hilft Abendsport besonders beim Abnehmen?

Doch auch Sport am Abend bietet Vorteile: „Er erhöht den Energieumsatz über längere Zeit“, erklärt Treebak. Sportler kennen das als den sogenannten Nachbrenneffekt: Der Körper verbrennt auch nach der eigentlichen Anstrengung in Ruhe längere Zeit mehr Energie. Das wiederum könnte das Abnehmen fördern.

Innere Uhr beeinflusst Sportwirkung

Die Wissenschaftler vermuten, dass der unterschiedliche Effekt von Sport vom zirkadianen Rhythmus abhängt. Diese sogenannte innere Uhr steuert und synchronisiert zahlreiche Körperfunktionen. Dazu gehört der Schlaf-Wach-Rhythmus, aber auch die Ausschüttung von Hormonen, die Taktung von Regenerationsphasen sowie Stoffwechselprozessen.

Da sich Maus und Mensch genetisch sehr ähnlich sind, liegt die Vermutung nahe, dass die Ergebnisse der Tierstudie auch auf Zweibeiner übertragbar sind. Doch Vorsicht: „Ob Sport am Morgen oder am Abend besser ist, lässt sich auf dieser Grundlage noch nicht sagen“, so Treebak. „Wir müssen die Untersuchung auf Menschen ausdehnen, um beispielsweise sagen zu können, welche sportliche Strategie zur Behandlung von Stoffwechselerkrankungen geeignet ist.“