Zahnarzt mit Zahnersatz

Nachwachsende Zähne: Aus dem Labor in den Kiefer

Aktualisiert am
Lisa Vogel

Lisa Vogel studierte Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach und vertiefte ihre journalistischen Kenntnisse im Masterstudiengang Multimediale Information und Kommunikation. Als freie Journalistin sammelte sie Erfahrungen im Lokaljournalismus und schrieb Beiträge für Gesundheitsplattformen. Seit September 2018 ist sie Volontärin in der e-happiness Redaktion.

Kaputte Zähne einfach nachwachsen lassen? Was ein wenig nach Science-Fiction klingt, könnte bald Realität werden: Einer Berliner Forschungsgruppe ist es gelungen, aus Stammzellen voll funktionsfähige Beißer zu züchten. Die nachwachsenden Dritten könnten in Zukunft Gebiss, Brücken und Implantate ersetzen.

Normalerweise haben Menschen zwei Sätze von Zähnen: 20 Milchzähne, die im Kindesalter ausfallen, und 28 bis 32 bleibende Zähne. Die Zellen, aus denen sich die beiden Zahnsätze entwickeln, sind schon vor der Geburt im Kiefer vorhanden. Fallen die bleibenden Zähne aus, hilft derzeit nur ein künstliches Gebiss oder ein Implantat. Forscher gehen aber davon aus, dass der Kiefer lebenslang über die Fähigkeit verfügt, neue Zähne sprießen zu lassen.

Aus Zellkeimen wachsen Zähne

Wächst ein Zahn, sammeln sich im Kiefer sogenannte Vorläuferzellen. Sie kondensieren und bilden einen Zahnkeim . „Innerhalb dieser Zahnknospe kommt es zur Differenzierung verschiedener Zelltypen: dem Zahnschmelz-Organ, der Zahnpapille und der Zahnleiste. Diese Gewebe differenzieren nach und nach zu einem kompletten Zahn“, beschreibt Dr. Jennifer Rosowski, Mitarbeiterin der Forschungsgruppe.

Der Keim schüttet Botenstoffe aus und kommuniziert so mit dem umliegenden Kiefergewebe – so entscheidet sich, ob ein Schneide- oder Backenzahn entsteht.

Grundlage für neue Zähne: Zellen aus dem Weisheitszahn

Die Idee der Berliner Forscher: Sie entnehmen aus einem Weisheitszahn Zellen und kultivieren sie mit einer speziellen Methode, so dass sie sich in einen stammzellenähnlichen Zustand zurückentwickeln. Diese künstlich gewonnenen Vorläuferzellen entwickeln sich in einem Hydrogel-Nährboden weiter, ein künstlicher Zahnkeim entsteht. „Wir konnten nachweisen, dass dieser Zahnkeim die Produktion von Botenstoffen in Gang setzte“, sagt Roskowski.

Implantierte Keimlinge wachsen im Kiefer

Im Labor funktioniert das Prinzip. Chinesischen und japanischen Arbeitsgruppen ist es bereits gelungen, Mäusen Zahnkeimlinge in den Kiefer zu implantieren. Die Keimlinge entwickelten sich in den Studien tatsächlich zu kompletten Zähnen und brachen durch den Kiefer. Versuche am Menschen gab es bislang noch nicht.

„Der nachwachsende Zahn wird Realität“, sagt Stammzellforscher Prof. Jürgen Hescheler zu den aktuellen Forschungsergebnissen im Interview mit dem online Magazin „Zahnärztliche Mitteilungen“ zm . „In zehn Jahren könnte der nachwachsende Zahn in Serie gehen.“ Die Kosten für eine Behandlung schätzt er auf 100 bis 500 Euro – allerdings nur, wenn die Behandlung zur Routine wird.

Zahnlos durch Parodontitis und Karies

Knapp jeder Dritte der 45- bis 59-Jährigen hat schon einmal einen Zahn verloren. Die häufigsten Ursachen für Zahnverlust sind Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) und Karies. Die beste Methode, den Zahnverlust zu verhindern, ist eine gute Mundhygiene. Dazu zwei Mal täglich Zähneputzen und die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder einer Interdentalbürste von Essensresten und Bakterien befreien.