Aschenbecher mit Zigaretten

Colitis ulcerosa: Rauchen hilft nicht

Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für e-happiness ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Raucher erkranken angeblich seltener an der entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa. Manche Patienten hoffen daher, dass die Nikotinstängel ihre Beschwerden lindern können. Es gibt sogar Nichtraucher unter den Betroffenen, die aus diesem Grund eigens anfangen zu qualmen. Ist die Hoffnung berechtigt?

Ein Team um Jonathan Blackwell von der St. George’s University in London ist dieser Hypothese nun nachgegangen. Dazu vergleichen die Forscher die Krankheitsdaten von 6754 neu diagnostizierten Colitis ulcerosa-Patienten. Darunter befanden sich Raucher, Ex-Raucher und Nichtraucher.

Kein Vorteil für Raucher

Die Ergebnisse zeigten, dass Rauchen den Krankheitsverlauf in keiner Weise günstig beeinflusste: Die Raucher erlebten ebenso oft ein Aufflammen der schubweise verlaufenden Erkrankung mit Krämpfen und Durchfällen wie die Nichtraucher und benötigten ebenso viele Medikamente. Sie mussten auch ebenso oft ins Krankenhaus und sich ebenso vielen Darmoperationen unterziehen.

Bei jenen Rauchern unter den Patienten, die im Verlauf des Studienzeitraums die Zigaretten aufgaben, verschlimmerten sich die Symptome nicht.

„Wir faden keinerlei Vorteile des Rauchens bei Colitis ulcerosa“, erklärt Blackwell. Frisch diagnostizierten Patienten sollte geraten werden, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen. Raucher sollte man anhalten, damit aufzuhören, schreiben die Forscher. Stattdessen sollten die Patienten ermutigt werden, ihre Gesundheit insgesamt zu verbessern.

Morbus Crohn statt Colitis ulcerosa?

Dass Rauchen manchen Studien zufolge bei der Entstehung der Krankheit einen gewissen Schutzeffekt haben könnte, hängt möglicherweise mit einer Variante des Gens NOD-2 zusammen, die immerhin 10 Prozent der Patienten in sich tragen. Sie trägt dazu bei, dass die Erkrankung gehäuft in manchen Familien auftritt. Bei Trägern dieser Genvariante könnte Rauchen tatsächlich schützend wirken. Allerdings erhöht sich dann die Wahrscheinlichkeit für eine andere entzündliche Darmerkrankung: Morbus Crohn.

Geschwüre in der Schleimhaut

Die Colitis ulcerosa (engl. ulcerative colitis) ist eine chronische Darmentzündung. Betroffene leiden häufige unter blutig-schleimigen Durchfällen, ständigem Stuhldrang und Bauchschmerzen im linken Unterbauch. Hinzu kommen Fieber, Erschöpfung, mitunter auch Augenentzündungen, Hautveränderungen und geschwollene Gelenke.

Ursache sind Geschwüre der inneren Schleimhaut-Schicht des Dickdarms. Anders als beim Morbus Crohn bleibt der übrige Verdauungstrakt von der chronischen Entzündung verschont. Die Patienten müssen sich häufig nach etwa zehn Krankheitsjahren ersten Operationen unterziehen – um Darmverengungen zu öffnen oder unrettbare Darmabschnitte zu entfernen. Experten schätzen die Zahl der Colitis ulcerosa-Patienten in Deutschland auf rund 170000.