Akne inversa

Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der e-happiness-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für e-happiness - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Akne inversa (Acne inversa) ist eine Hauterkrankung, bei der großflächige Entzündungen vor allem im Achsel- und Genitalbereich auftreten. Sie gehen mit Eiteransammlungen und starken Schmerzen einher. Unbehandelt kann Akne inversa chronisch werden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Ursachen und Symptomen von Akne inversa, Therapie und Prognose.

akne inversa

Was ist Akne inversa?

Akne inversa (Acne inversa) ist eine entzündliche Hauterkrankung, die vor allem die Regionen betrifft, in denen sich leicht Hautfalten bilden. Das sind beispielsweise die Achselhöhlen und die Genitalregion. Es kommt hier zu großflächigen Entzündungen, Eiteransammlungen, Abszessen und auffälligen Narben. Außerdem können sich Verbindungsgänge von der Haut zu anderen Organen (Fisteln) bilden. Unbehandelt breitet sich die Akne inversa immer weiter aus und nimmt einen chronischen Verlauf. So kann schließlich die gesamte Haut und das Unterhautfettgewebe der betroffenen Regionen betroffen sein.

Die schwerwiegende Erkrankung ist bis heute wenig bekannt, da nur sehr wenig Menschen daran leiden. Frauen erkranken häufiger an Akne inversa als Männer. In den meisten Fällen tritt die Erkrankung nach der Pubertät und vor dem 30. Lebensjahr das erste Mal auf.

Übrigens: In vielen Fällen tritt Akne inversa zusammen mit der bekannteren Akne vulgaris auf.

Akne inversa: Symptome

Bei Akne inversa entzünden sich an den betroffenen Hautarealen zunächst nur die Haarwurzeln und die damit verbundenen Talg- und Schweißdrüsen. Es bilden sich tastbare Knoten und Verdickungen, die aussehen wie vergrößerte Mitesser. Der entzündungsbedingte Rückstau von Talg und Schweißsekret kann mit der Zeit zur Bildung von Eiteransammlungen (Abszessen) im Bereich der Schweißdrüsen führen. Das Drüsengewebe wird zerstört. Es können sich verzweigte Gänge in tiefere Gewebeschichten oder zur Körperoberfläche bilden (Fisteln). Die Eiteransammlungen können sich spontan entleeren und Eiter, Talg oder ein schlecht riechendes Sekret freigeben. Nach einigen Jahren sind die betroffenen Regionen meist durch eine Vielzahl von Narben früherer Entzündungsherde gekennzeichnet.

Von diesen Krankheitsvorgängen der Akne inversa sind folgende Körperregionen betroffen:

  • Achseln
  • Leisten
  • Genitalregion
  • Bauchfalten
  • Falten unter der weiblichen Brust

Akne inversa: Auswirkungen und Folgen

Aufgrund der körperlichen Symptome sind Akne inversa-Patienten in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Zudem kann die Erkrankung noch weitere Auswirkungen haben, die das Alltagsleben, Berufs- und Beziehungsleben der Betroffenen negativ beeinflussen. Dazu gehören:

  • Schmerzen
  • Schlafstörungen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Fettsucht (Adipositas)
  • Ekelgefühl
  • Entstellungsproblematik verbunden mit Schamgefühl
  • Nässegefühl, Verschmutzung der Kleidung (bei Eiterentleerung)
  • Weichteilschwellungen unter der Haut aufgrund einer Störung im Bereich des Lymphgefäßsystems (Lymphödeme)
  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Beeinträchtigung des Sexuallebens
  • Angst vor Folgeerkrankungen: Blutarmut (Anämie), Entwicklung von Tumor im Bereich von Anus und Genitalien
  • Angst vor Belastungen in der Familie/im sozialen Umfeld
  • Angst vor Arbeitslosigkeit/finanziellen Problemen
  • Angst vor genetischer Belastung/Vererbbarkeit

Akne inversa: Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen der Akne inversa sind bis heute nicht bekannt. Experten aber vermuten, dass Störungen des Immunsystems und hormonelle Einflüsse bei der Entstehung der schweren Hauterkrankung eine Rolle spielen könnten. Zudem haben manche Menschen offenbar eine erbliche Veranlagung für Akne inversa.

Gesichert ist, dass bestimmte Faktoren die Hautkrankheit auslösen oder verstärken können. Zu diesen Triggerfaktoren zählen:

  • Rauchen (sehr wichtiger Triggerfaktor für Akne inversa!)
  • starkes Übergewicht (Adipositas)
  • Stress und psychische Belastungen
  • Schwitzen
  • mechanische Irritation (z.B. durch enge Kleidung)
  • Entfernung der Körperhaare (Rasuren)
  • bakterielle Besiedelung der Haarfollikel (vor allem mit Staphylococcus aureus)

Darüber hinaus beobachtet man oft einen Zusammenhang zwischen Akne inversa und einigen anderen Erkrankungen wie etwa den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Akne inversa: Untersuchungen und Diagnose

Bis Akne inversa diagnostiziert wird, vergehen oft Jahre. Das liegt etwa daran, dass viele Betroffene aus Schamgefühl erst spät zum Arzt gehen. Außerdem ist die Erkrankung so selten, dass viele Mediziner wenig Erfahrung damit haben und deshalb nicht gleich die richtige Diagnose stellen.

Zur Abklärung der Hautveränderungen wird der Arzt zuerst im Gespräch mit dem Patienten dessen Krankengeschichte erheben (Anamnese). Dazu lässt er sich unter anderem alle Symptome und Beschwerden genau schildern und fragt, wie lange diese schon bestehen. Außerdem erkundigt er sich nach wichtigen Risikofaktoren von Akne inversa, also beispielsweise, ob andere Familienmitglieder an der Hautkrankheit und ob der Patient raucht. Der Arzt wird auch Gewicht und Körpergröße des Patienten messen, um dessen Body-Mass-Index (BMI) zu bestimmen. Starkes Übergewicht ist nämlich neben Tabakkonsum ein weiterer wichtiger Triggerfaktor von Akne inversa.

Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Beispielsweise begutachtet der Arzt sorgfältig die Hautveränderungen und tastet das Gewebe ab. Eventuelle Fisteln kann er mithilfe einer Sonde genauer untersuchen. Meist nimmt der Arzt auch Blutproben, um etwa Entzündungsparameter wie Blutsenkung und C-reaktives Protein zu bestimmen.

Aufschlussreich können zudem Abstriche der Hautoberfläche und Proben aus tieferen Gewebeschichten an den krankhaft veränderten Hautarealen sein. Darin vorhandene Keime lassen sich im Labor nachweisen.

Mit Hilfe bildgebender Verfahren kann der Arzt die Tiefenausdehnung der Erkrankung bzw. der Fistelgänge feststellen. Zum Einsatz kommen etwa Ultraschalluntersuchung und Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT).

Hinweis: Bei seinen Untersuchungen muss der Arzt andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie Akne inversa ausschließen. Dazu zählen zum Beispiel eine wiederkehrende Haarbalgentzündung (Follikulitis), die tiefe, eitrige Entzündung eines einzelnen Haarbalgs (Furunkel) oder mehrerer benachbarter Haarbälger (Karbunkel) sowie Haut-Tuberkulose.

Akne inversa: Behandlung

Die Behandlung von Akne inversa ist schwierig und hängt vom Stadium (Schweregrad) der Erkrankung ab. Manchmal können Medikamente die Symptome lindern und dem Patienten beschwerdefreie oder zumindest beschwerdearme Phasen verschaffen. Oftmals lassen sich aber chirurgische Eingriffe nicht vermeiden. Allgemein gilt: Die Akne inversa-Behandlung erfolgt in medizinischen Zentren, die auf Hauterkrankungen spezialisiert sind. Das sind in Deutschland etwa alle größeren Hautkliniken und Zentren der plastischen Chirurgie.

Medikamente bei Akne inversa

Für die lokalen Wundbehandlung werden antiseptische (antimikrobielle) Präparate etwa in Form von Lösungen oder Salben angewendet (z.B. mit Polyhexanid, Octenidin oder PVP-Iod).

Zudem verschreibt der Arzt oftmals Antibiotika, um bakterielle Infektionen in den Griff zu bekommen, die den Krankheitsverlauf von Akne inversa erheblich beeinflussen können. Die Wahl der Wirkstoffe richtet sich nach den Keimen, die in den Abstrichen und Gewebeproben nachgewiesen werden. Zur Verfügung stehen beispielsweise Clindamycin, Rifampicin und Tetracycline. Sie werden lokal aufgetragen oder in Tablettenform eingenommen.

Schwerere Fälle von Akne inversa werden manchmal mit dem sogenannte TNF-Hemmer Adalimumab behandelt (TNF = Tumornekrosefaktor). Es handelt sich um einen biotechnologisch hergestellten monoklonalen Antikörper, der Entzündungsprozesse im Immunsystem bremsen kann. Er wird deshalb beispielsweise auch bei rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte (Psoriasis), Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und anderen Autoimmunerkrankungen angewendet.

Frauen mit Akne inversa werden gelegentlich Antiandrogene verschrieben. Sie wirken hemmend auf die männlichen Sexualhormone, die auch im weiblichen Körper in geringen Mengen produziert werden. Das kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Seltener kommen in der Therapie von Akne inversa noch andere Medikamente zur Anwendung, beispielsweise Kortikosteroide ("Kortison") oder Acitretin. 

Chirurgische Behandlung

In vielen Fällen sind bei Akne inversa auch chirurgische Eingriffe nötig. So muss der Arzt oft Entzündungsherde eröffnen: Die Eiterbeulen (Abszesse) werden aufgeschnitten, entleert und mit Antibiotika gespült.

Nachhaltig heilen lässt sich fortgeschrittene Akne inversa meist nur durch die chirurgische Entfernung erkrankter Hautpartien. Je nach Größe des Defekts und eventuell bestehenden Wundheilungsstörungen kommen drei Möglichkeiten der Wundbehandlung in Betracht:

  1. Sekundärheilung: Hierbei werden die Wundränder miteinander vernäht, und es bildet sich eine Narbe an der Schnittstelle. Die Sekundärheilung eignet sich vor allem bei kleineren Hautarealen.
  2. Nahlappenplastik: Bei einer Nahlappenplastik wird gesunde Haut aus der Umgebung verschoben, um die Wunde zu verschließen. Dabei muss der Chirurg darauf achten, dass durch die Spannung, die in der Haut entsteht, die Bewegungsfähigkeit nicht eingeschränkt wird.
  3. Spalthauttransplantation: Bei der Spalthauttransplantation wird gesunde Haut beispielsweise vom Hinterkopf oder vom Oberschenkel entnommen und in die Wunde gesetzt. Die Stelle, von der die Haut entnommen wurde, heilt selbstständig etwa wie eine Schürfwunde.

Sonstige Therapiemaßnahmen

(Noch) eher selten werden Lasertherapien bei Akne inversa angewendet, etwa zum Abtragen erkrankten Gewebes oder als Bestrahlungstherapie.

Egal, auf welche Weise Akne inversa behandelt wird - der Therapieerfolgt hängt auch davon ab, ob es gelingt, Triggerfaktoren zu vermeiden. Vor allem sollten Patienten nicht rauchen und Übergewicht vermeiden beziehungsweise abbauen.

Akne inversa: Prognose

Unbehandelt kann sich Akne inversa zu einem chronischen Leiden entwickeln, das mit starken Schmerzen und einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergeht. Viele Betroffene ziehen sich aus dem Sozialleben zurück, einige entwickeln sogar Depressionen. Deshalb ist es sehr wichtig, sich bei Verdacht auf Akne inversa frühzeitig von einem erfahrenen Hautarzt untersuchen und behandeln zu lassen.

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